Wuligers Woche

Er hat Schalom gesagt!

»Ich sage zu euch Schalom, ich bin ein Jude und mache das mit Absicht!« Foto: Thinkstock

Das hebräische »Schalom« heißt ins Deutsche übersetzt »Frieden«. Doch in der bayerischen Fußball‐Kreisliga West‐Donau sorgt das Wort derzeit für Krieg. Auslöser des Konflikts ist ein Spiel des TSV Türk Spor Ichenhausen gegen den TSV Offingen vor zehn Tagen.

Offingen ist Spitzenreiter mit Aufstiegschancen in die Bezirksliga. Türk Spor, das einzige osmanische Team unter lauter Schwaben, steht mit mageren acht Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Es droht der Abstieg in die A‐Klasse. Von dort sind es dann nur noch zwei Spielklassen bis zum ligalosen Orkus der Freizeit‐ und Thekenmannschaften.

Foulspiel Verständlich, dass die Ichenhausener unter diesen Umständen nervös sind und wütend reagierten, als Schiedsrichter Markus Heidel bei der Begegnung – sie ging übrigens 4:0 für Offingen aus – einem Türk‐Spor‐Spieler wegen groben Fouls die Rote Karte zeigte. Zumal, so Ichenhausens Fußballchef Yasin Ata, die Unsportlichkeit als Grund nur vorgeschoben und der Platzverweis in Wirklichkeit ethnisch‐religiös motiviert war. Der Referee habe den türkischen Spielern zugerufen: »Ich sage zu euch Schalom, ich bin ein Jude und mache das mit Absicht!«

Schiedsrichter Heidel stellt den Vorfall etwas anders dar. Nachdem er als »Nazi« und »braunes Schwein« tituliert worden sei, habe er zum Türk‐Spor‐Betreuer, der während einer Verletzungspause auf das Spielfeld gerannt war und ihn verbal angegriffen hatte, gesagt: »Mit Rassismus brauchst du mir gar nicht zu kommen. Ich bin Jude. Schalom!«

So oder so: Für Yasin Ata scheint erwiesen zu sein, dass der Unparteiische seine Elf wohl aus turko‐ und islamophoben Motiven diskriminiert hat. »Ist ein Verein mit türkischen Gründungsvätern in der Kreisliga nicht erwünscht?«, fragte er rhetorisch und drohte: »So lassen wir uns nicht behandeln!« Nicht, dass der Türk‐Spor‐Mann etwas gegen Juden hätte.

vorwürfe Das muss er in dem Fall auch nicht. Schiedsrichter Heidel ist nämlich gar nicht jüdisch, wie er inzwischen dem Bayerischen Rundfunk offenbarte. Das habe er nur behauptet, um Vorwürfe zu entkräften, dass er aus rassistischen Gründen parteiisch gepfiffen habe. Juden können ja bekanntlich keine Rassisten sein. Nun bedauert es Heidel, sich während des umkämpften Spiels so geäußert zu haben.

Die Kinder Israels sind damit jedenfalls aus dem Schneider. Baruch HaSchem! Der drohende türkisch‐jüdische Konflikt im Landkreis Günzburg, wo die Kreisliga Donau‐West beheimatet ist, findet nicht statt. Ein Zores weniger.

Schiedsrichter, ob jüdisch oder nicht, sollten aber in Zukunft vorsichtshalber das Wort »Schalom« – oder wie die »Augsburger Allgemeine« es nannte, »den jüdischen Gruß« – bei Begegnungen mit türkischen Mannschaften auf jeden Fall vermeiden. Stattdessen empfiehlt sich, nein, nicht der deutsche Gruß, aber vielleicht ein freundliches türkisches »Selam«, zu Deutsch »Hallo« oder Bayerisch »Grüß Gott!«. »Selam« mit »e«, wohlgemerkt. Nicht »Salam« mit »a«. Das heißt nämlich übersetzt »Salami«.

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