Musik

Der letzte Ramone

Dass Joey, Johnny, Dee Dee und Tommy Ramone, die Gründer der Punkband avant-la-lettre Ramones, nicht wirklich Blutsverwandte waren, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Weniger geläufig war lange Zeit, dass zwei der Musiker jüdisch waren. Joeys Geburtsurkunde war auf den Namen Jeffrey Hyman ausgestellt, Tommy, der Drummer und Spiritus Rector der Band, hieß eigentlich Tamás Erdélyi.

»Erdélyi« ist ungarisch für Siebenbürgen. Den Namen hatte sich die Budapester jüdische Familie Grunewald gegeben, um in der zunehmend antisemitischen ungarischen Gesellschaft nicht als jüdisch aufzufallen. Viel half das nicht: Wie die anderen rund 900.000 magyarischen Juden gerieten auch die Erdélyis in den Mahlstrom der Schoa. Ein Großteil der Familie wurde ermordet, Tamás Eltern überlebten versteckt bei Freunden.

bronx Nach dem Ungarnaufstand 1956 flüchtete die Familie in die USA und ließ sich in New York nieder. Tommy, wie er inzwischen hieß, wurde von den Eltern in eine chassidische Jeschiwa in der Bronx geschickt, wo er von seinen religiösen Klassenkameraden als »Goi« gemobbt wurde, wie Steven Lee Beeber in seinem Buch über die jüdischen Wurzeln des Punk The Heebie Jeebies at CBGB’s schreibt.

Erdélyi, so Beeber, empfand sein Judentum seitdem als Last und tat alles, sich davon zu distanzieren. Auch gegenüber seinem Bandkollegen Joey und dem ebenfalls jüdischen ersten Manager der Ramones, Danny Fields, verschwieg er seine Herkunft.

Zuflucht suchte und fand Tommy in der US-Jugendkultur. Schon als Schüler spielte er in Rockbands. 1974 gründet er mit Jeffrey Hyman sowie seinen Schulfreunden John Cummings (Johnny) und Douglas Colvin (Dee Dee) die Ramones. Der Rest ist Rockgeschichte.

Joey starb 2001, Dee Dee 2002, Johnny 2004. Vergangenen Freitag, am 11. Juli, ist Tommy Ramone seinen Bandkollegen gefolgt. Er wurde 65 Jahre alt. Mit ihm endete eine Ära.

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