Genuss

Frisch geröstet im Cafelix

Schwäbisch-israelische Kooperation: Im Laden von Yael und Philipp Schäfer stimmt die Kasse. Foto: Ulrike Schleicher

Anfangs verbrachten Yael und Philipp Schäfer die Zeit in ihrem Laden allein. Sie saßen zwischen den Säcken mit den duftenden Kaffeebohnen, der glänzenden Röstmaschine, der Kaffeemaschine, den Wassergläsern und Tassen auf einer kleinen Bank und warteten auf Kunden.

Wenn der 30‐Jährige an die Zeit im Januar 2012 zurückdenkt, muss er lächeln: »Es sah nicht so gut aus.« Inzwischen stehen die Leute morgens Schlange vor dem Eingang von »Cafelix«, wie das Geschäft am Rand von Jaffa in der Hasgula‐Straße heißt. Manche von ihnen nehmen weite Umwege in Kauf, um frisch gerösteten Kaffee zu kaufen oder um nur schnell eine Tasse zu trinken und dann weiter zur Arbeit zu fahren.

In Israel gibt es Kaffee an jeder Ecke. Große Ketten wie »Aroma« offerieren das braune Getränk in vielen Geschmacksrichtungen, dazu kommen die unzähligen Cafés und Restaurants, die meist italienischen Kaffee anbieten. Und neuerdings sorgt der Billiganbieter »Cofix« für Diskussionen, weil er eine Tasse für unschlagbar günstige fünf Schekel anbietet.

Riskant Angesichts dieses Überangebotes scheint die Entscheidung, sich seinen Lebensunterhalt in dieser Branche zu verdienen, riskant und ungewöhnlich. Aber zum einen hat sich Philipp Schäfer ganz der Qualität des Produktes verschrieben. Zum anderen fügt sich diese Idee in den nicht ganz alltäglichen Werdegang des jungen Deutschen.

Phillip Schäfer stammt aus der Nähe von Stuttgart und wuchs mit christlichen Werten auf. »Ich war getauft, aber eigentlich spielte Religion bei uns keine Rolle.«

Nach Abitur und Zivildienst studierte er Jura in Berlin und wäre womöglich Richter, Anwalt oder Staatsanwalt geworden, hätte ihn nicht eines Tages sein Vater besucht und ihm eher beiläufig erzählt, dass Philipps Großmutter jüdische Wurzeln hatte. Ein Teil der Familiengeschichte, die dem Leben des jungen Mannes eine Wendung gab. »Ich begann, mich für Israel zu interessieren«, erinnert er sich. Um einen besseren Eindruck zu bekommen, verbrachte er ein Semester an der Universität von Tel Aviv: »Ich weiß noch, wie verwundert ich nach meiner Ankunft war, dass es hier so friedlich ist.« Er lernte seine jetzige Frau Yael kennen, die Wirtschaftswissenschaften studierte, und entschloss sich, in Israel zu leben. Mit allen Konsequenzen: Er konvertierte zum Judentum, isst koscher und hält den Schabbat.

Auch die Leidenschaft für Kaffee begann in Berlin: »Da war eine kleine Kaffeerösterei in meiner Straße, die hat mich magisch angezogen.« Noch ohne professionelle Absichten besuchte Schäfer Seminare in Holland und lernte, wo die grünen Bohnen herkommen, wie wichtig Temperatur und Zeit beim Rösten sind, wie viel Säure beim Rösten entsteht, wie viel Koffein diese und jene Bohnen haben und den Unterschied zwischen Arabica‐ und Robustabohnen.

Es war der »schlechte Kaffee« in Israel, der Philipp Schäfer schließlich dazu bewog, aus seiner Leidenschaft einen Beruf zu machen und die Leute hierzulande eines Besseren zu belehren: »Komischerweise haben sie die Illusion, der Kaffee hier sei gut.«

Zweckmässig Yael gab ihren Job auf, und es kostete die beiden zwei Jahre Vorbereitungszeit: Es galt, bürokratische Hürden zu überwinden, einen Kaffeeimporteur zu finden, die Utensilien zu kaufen. Allein einen geeigneten Ladenraum zu finden, war schwierig. »Ich bin durch die Gegend geradelt, um leerstehende Objekte ausfindig zu machen.«

Der jetzige Raum passt perfekt. Vor dem niedrigen Gebäude öffnet sich ein runder Platz mit Bäumen, darum herum arbeiten Handwerker, renovierte Häuser ziehen neue Bewohner an. Der Laden selbst – »früher wurde hier unter anderem Lachs geräuchert« – ist zweckmäßig eingerichtet. Die Röstmaschine ist der Mittelpunkt, Säcke mit grünen Kaffeebohnen lehnen an der Wand, am Eingang und draußen sind wenige Sitzgelegenheiten, an einer Theke serviert Ophir Ben‐Haroush, gelernter Barista, das heiße Getränk, und Yael packt die frischen Bohnen ab – sortenrein oder als Mischung für die Kunden.

So wie das Geschäft heute läuft, war es ursprünglich gar nicht gedacht. »Wir wollten unseren Kaffee in großen Mengen Restaurants und Cafés anbieten und nicht an einzelne Kunden verkaufen«, erzählt Philipp. Das sei naiv gewesen. »Die Restaurants bekommen das ganze Equipment von den Anbietern dazu: Tassen, Gläser, Kaffeemaschinen, Sonnenschirme – der Kaffee selbst ist Nebensache.«

Lehrgeld Damit konnten und vor allem wollten die beiden nicht konkurrieren. »Uns geht es um das Produkt und seine Qualität«, sagt der gebürtige Schwabe. Für diese konsequente Haltung mussten er und Yael Lehrgeld bezahlen, es dauerte Monate, bis der Betrieb anlief. Erst kamen die Nachbarn, dann die Nachbarn der Nachbarn, »bis es sich in der Stadt herumgesprochen hatte«. Inzwischen haben sie in der Innenstadt eine kleine Filiale eröffnet, zwei Partner, die Baristas Ophir und Asaf Biton, ins Boot geholt und vier Mitarbeiter angestellt, die in Teilzeit arbeiten.

Seit drei Jahren habe er selbst keinen Kaffee mehr woanders getrunken, schätzt Schäfer. Sein Favorit sind Bohnen aus dem Ursprungsland des Kaffees, aus Äthiopien. Aber er importiert auch aus Brasilien, den südamerikanischen Ländern sowie Papua‐Neuguinea. Das Geheimnis eines guten Kaffees sei neben der Sortenauswahl vor allem die Frische. »Je länger es her ist, dass er geröstet wurde, desto schlechter.«

Im Cafelix bekommt man keinen Kaffee, der älter als zwei Wochen ist. Was nicht verkauft wird, spendet das Paar an Synagogen. Ob jemand Zucker und Milch dazu nimmt, sei Geschmackssache, sagt Schäfer. Nur Kondensmilch dürfe es nicht sein. Aber die gebe es in Israel gar nicht – zum Glück.

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