Meinung

Dumm und dümmer

Warum Kollegah und Farid Bang für ihre unwürdige Leichenfledderei nicht auch noch geehrt werden sollten

Aktualisiert am 03.04.2018, 21:54 – von Philipp Peyman EngelPhilipp Peyman Engel

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Wenn man etwas besonders Dummes hören will, sagte Marcel Reich-Ranicki einmal im Gespräch mit dieser Zeitung, müsse man einen Schriftsteller nur nach seiner politischen Meinung fragen. Spätestens seit dieser Woche wissen wir: Wenn man etwas ganz besonders Ekelhaftes und Menschenverachtendes hören will, muss man einen deutschen Rapper oft nur nach seiner Meinung zu Juden und Auschwitz fragen.

Genau zu diesen Themen hat der hessische Battle-Rapper Kollegah, der mit bürgerlichem Namen Felix Blume heißt und als 15-Jähriger zum Islam konvertierte, eine klare Meinung. Auf seinem neuen Album Jung, brutal, gutaussehend 3 kamen er und sein Co-Rapper Farid Bang auf die glorreiche Idee, sich über das Leiden von Juden im Konzentrationslager Auschwitz lustig zu machen.

Jüdische Verbände und Schoa-Überlebende sind zu Recht entsetzt und protestieren gegen die Textzeile »Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen«. Kein Einzelfall: Auf anderen Alben von Kollegah finden sich Zeilen wie »Es ist die Endlösung der Rapperfrage: Kugeln ins Gesicht« und »Ich leih dir Geld, doch nie ohne nen jüdischen Zinssatz«.

hakennasen
Konfrontiert mit seiner Aussage, wiegelt Kollegah ab. Ein Antisemit will er nicht sein. Judenfeindliche Vorurteile? Nicht doch! »Hip-Hop ist so weit von Rassismus entfernt wie keine andere Kultur«, erklärt der Rapper nun in einem Video, das er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat.

Doch während Kollegah in dem Video spricht, wird im Hintergrund eine antisemitische Karikatur eingeblendet, in der Männer mit Hakennasen und Kippot zu sehen sind. »Wer hat wirklich die Macht?« ist über dem Bild zu lesen. Es ist eine Zeichnung, die dem »Stürmer« alle Ehre gemacht hätte. Aber auch hier wehrt Kollegah ab: Er habe von der Karikatur nichts gewusst und distanziere sich von ihr.

Echo Anstatt diese Musik zu ignorieren oder gar zu verteilen, will der renommierte Musikpreis Echo diesen geballten antisemitischen Hass nun womöglich auch noch eine Auszeichnung verleihen. Kollegah und Farid Bang sind für den Echo 2018 in der Kategorie »Album des Jahres« nominiert. Verliehen wird der Echo am 12. April. Einen Preis für antisemitischen Hass und Menschenfeindlichkeit? Nachdem sich das Internationale Auschwitz Komitee über die Nominierung beschwert hatte, kündigte der Echo an, dass der Ethikbeirat des Preises die betreffenden Zeilen prüfen werde.

Auf Anfrage der BILD-Zeitung sagte die Echo-Geschäftsführerin Rebecka Heinz zu der Nominierung der Rapper: »Die Sprache des Battle-Rap ist hart, und verbale Provokationen sind ein typisches Stilmittel. Die Kunst- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut.« Es ist richtig: Solange eine Textzeile nicht justiziabel ist, ist sie – auch wenn sie noch so falsch oder niederträchtig erscheint – von der Kunstfreiheit gedeckt.

Doch eine Textzeile wie die von Kollegah auch noch mit einem der wichtigsten Musikpreise zu würdigen, ist eine andere Sache. Wenn sich der Echo nicht an der entwürdigenden Leichenfledderei und der Verbreitung antisemitischer Stimmungen der beiden Rapper beteiligen will, muss der Ethikbeirat jetzt handeln. Zu spät dafür ist es noch nicht. Es wäre ein wichtiges und notwendiges Signal.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 15.11.2018

Ausgabe Nr. 46
vom 15.11.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
1°C
bedeckt
Frankfurt
4°C
bedeckt
Tel Aviv
21°C
wolkig
New York
5°C
wolkig
Zitat der Woche
»Mal sind es die Flüchtlinge, dann die
Islamisten, dann die Juden.«
Der Psychologe Klaus Weber in seinem Buch »Resonanzverhältnisse.
Zur Faschisierung Deutschlands« (Hamburg 2018)