28. Feb. 2017
10:47

Kurz, aber gut

Klatschmohn und Mandelbäume
© Flash 90

Ich vermisse die vier Jahreszeiten. Die richtigen, meine ich. Natürlich ist der Sommer hier in Israel immer ein eindeutiger Sommer. Keiner mit verregneten Grillabenden, Freibädern, die länger geschlossen als geöffnet sind, sondern mit Sonne und blauem Himmel satt. Ich genieße das sehr. Die Sommergarderobe muss niemals eingemottet werden, sondern wird acht volle Monate im Jahr ausgeführt.

Zwar steht es auch hier im Kalender, doch Frühling, Herbst und Winter lassen in Sachen Authentizität für mich arg zu wünschen übrig. Manchmal vermisse ich es einfach, im Winter durch knirschenden Schnee zu stapfen, zum Skifahren mit dem Auto zu fahren und im Herbst auf Schichten von buntem Laub spazieren und dabei den ersten Frost in den Fingerspitzen spüren zu können.

Denn in Nahost ist es so, dass Frühling und Herbst nicht länger als einige Tage dauern. Meist wird nach dem Sommer die Klimaanlage sofort von Kühlen auf Heizen umgestellt und andersherum. Bis jetzt war Winter. In der vergangenen Woche regnete es noch in Strömen, auf den Golanhöhen im Norden fiel Schnee.

Gestern war ich in Jerusalem. Auf dem Weg von Tel Aviv durch die hügelige Landschaft der Judäischen Berge sah ich aus den Augenwinkeln auf einmal bunte Farbtupfer. Rot, Blau, Gelb und Rosa. Die waren einige Wochen vorher noch nicht da gewesen. Auf den Wiesen und Feldern leuchten Lupinen und der Klatschmohn, stehen die Mandelbäume in voller Blüte. Ich ließ das Fenster herunter und atmete tief ein. Alles roch nach Neuanfang, nach Aufbruch und Frische.

Keine Frage, der Frühling hat Einzug gehalten. Natürlich steht damit auch Purim vor der Tür, der jüdische Karneval, bei dem nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Israelis kunterbunt werden und den Winter vertreiben.

Sicherer noch als Blütenpracht und Fasching – als Indikator, dass es wärmer wird – sind allerdings die Füße meiner Tochter. Raus aus den Stiefeln und Schnürschuhen, rein in die Flip-Flops, sobald das Thermometer auch nur ein Grad über 20 zeigt. Wenn die Socken in der Wäsche innerhalb weniger Tage gegen null tendieren, weiß ich, der Lenz ist wirklich da. In Israel ist er kurz – aber gut.

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