31. Jan. 2017
19:19

Eine Gefahr für die Welt und Israel

Donald Trump
© dpa

Mein Blog ist der meistgelesene der Welt! Stimmt nicht, sagen Sie? Alternative Fakten, sage ich. Diese und ähnlich haarsträubende Sätze poltern in der Post-Truth-Ära fast täglich aus dem Weißen Haus in Washington. Doch ich bin nicht schockiert. Ich habe Donald Trump schon immer für einen Frauenhasser und skrupellos lügenden Narzissten gehalten, der vor nichts haltmachen wird, um sich endlich den Lorbeerkranz aufs Haupt zu setzen.

Allerdings erschreckt es mich zutiefst, dass in Israel noch immer ein merkwürdiges Gerücht umgeht. »Trump ist gut für Israel.« So ist es nicht nur von Extremisten und Rassisten zu hören, die auch hier am liebsten einen Bann gegen Muslime einführen wollen, es sind Israelis aller Couleur. Selbst wenn sie »Trump als Menschen nicht mögen«, so soll er doch ein »wahrer Freund des jüdischen Staates« sein.

»Wie bitte?«, frage ich jedes Mal aufs Neue ungläubig. Kann mir das jemand erklären? Doch niemand kann es. Nicht ein Einziger hatte je mehr zu bieten, als den jüdischen Schwiegersohn und Trumps angebliche Versprechen. Dass die aber fast täglich neu ausgelegt und nicht gehalten werden, müsste doch langsam jedem klar sein. Die jüdische Familie um Tochter Ivanka lässt sich in Glitzerkleid und Smoking ablichten, während draußen die Massen toben und Familien durch den Reisebann ihres Vaters getrennt werden. Hübsch sehen sie ja aus. Aber auch so kalt, dass es mir einen eisigen Schauer über den Rücken jagt.

Rae Kushner, die Großmutter von Trumps Schwiegersohn, erzählte in einem Interview vor Jahren, wie ihr und ihrer Familie damals als jüdische Flüchtlinge die Türen der Welt verschlossen waren und die meisten Angehörigen in den Todeslagern der Nazis ermordet wurden. »Wovor hatte die Welt denn Angst?«, fragte sie. »Diese Frage stelle ich mir noch heute.« Jared scheint sie sich nicht zu stellen. Denn jetzt steht er neben Trump, als dieser den Flüchtlingen die Tür vor der Nase zuschlägt, und lächelt sanft.

Ich kaufe Trump nicht einmal sein »America First« ab. Es geht einzig um sein Ego, seinen Größenwahn, sein Gott-Gehabe. Warum sollte er sich um Israel scheren? »Trump First« ist alles, was zählt.

Der neue amerikanische Präsident ist ein pathologischer Lügner – charakteristisch für Narzissten übrigens. Wer beim Banalen, etwa die Zahl der Besucher bei seiner Amtseinführung, wie besessen darauf pocht, dass es die meisten aller Zeiten gewesen seien (was eindeutig widerlegt ist), der wird nicht zögern, bei umstrittenen oder gefährlichen Aktionen das Blaue vom Himmel zu fantasieren.

Alle, die noch immer auf Trumps guten Willen oder seine Empathie hoffen und nicht überzeugt sind, dass er und die reichen weißen Männer an seiner Seite eine Gefahr für die ganze Welt - Israel inklusive - sind, der sollte sich noch einmal dies zu Gemüte führen: Auf die Frage, warum in der Erklärung zum internationalen Holocaust-Gedenktag mit keinem Wort das Leid und die Ermordung von sechs Millionen Juden erwähnt wurde (übrigens ein Klassiker der Holocaust-Leugner), gab es eine deutliche Antwort aus dem Weißen Haus: »No regrets!«, wir bedauern nichts.

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