Potsdam

Zu klein, zu hoch, zu unjüdisch

Alles schien abgesprochen, nun gibt es Kritik am Synagogenbau

10.06.2010 – von Olaf GlöcknerOlaf Glöckner

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Der Aufbau der Gemeinde in Potsdam bleibt eine schwierige Sache. Weniger im bautechnischen Sinne, denn hier zeichnet sich die Eröffnung der ersten Brandenburgischen Synagoge seit 1945 ab. Unruhe ist vielmehr entstanden, seitdem eine neu gegründete, sich als orthodox bezeichnende Betergemeinschaft »Minjan Potsdam« wesentliche Teile des fertigen Synagogenkonzepts attackiert. Fast zeitgleich hat der bisherige Potsdamer Rabbiner, der dem Minjan nahesteht, die Gemeinde kurz vor Pessach spontan verlassen. Eine Entscheidung, die die Beter in der Schlossstraße 1 wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf.

Was war tatsächlich geschehen? Im Frühjahr 2009 hatte das Berliner Architektenbüro Haberland & Haberland den internationalen Architektenwettbewerb für den längst fälligen Bau der Potsdamer Synagoge gewonnen. Erstmals schien die Gemeinde, die vorwiegend aus Zuwanderern aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion besteht, dem Ziel eines eigenen Gotteshauses greifbar nahe. Koordiniert wird das Projekt vom Bauverein »Neue Synagoge Potsdam e.V.«. Wichtige Unterstützung kommt von der Stadt Potsdam und von der Landesregierung.

kritik Noch an Sukkot 2009 feierten alle Akteure und Beteiligten die Fortschritte mit einem Straßenfest in der Potsdamer Altstadt. Womit weder die Architekten noch die Gemeinde und der Bauverein gerechnet hatten, war eine nachträgliche Fundamentalkritik am Bau. Die liefert nun seit Januar 2010 der »Minjan Potsdam«. Der Kreis um den in Potsdam-West lebenden, prominenten israelischen Musiker und Komponisten Ud Joffe bemängelt unter anderem, dass das geplante Gebäude nicht wirklich als Synagoge erkennbar und die Mikwe zu klein sei, der Synagogenraum im Bauentwurf zu hoch liege und ein räumliches Missverhältnis zwischen Gemeindezentrum, Funktionsräumen und Gebetsraum bestehe. Der Hauptvorwurf gipfelt jedoch darin, dass einiges am bisherigen Entwurf unvereinbar mit der Halacha sei. Dabei hatte das Büro Haberland & Haberland schon im ersten Entwurf strittige Baufragen mit dem orthodoxen Berliner Rabbiner Yitzhak Ehrenberg beraten und auch gelöst.

Im Frühjahr kristallisierte sich heraus, dass es zum offenen Konflikt kommen würde. »Minjan Potsdam« präsentierte sich nun als authentischer Interessenvertreter der Gemeinde, und dies vor allem auch in religiösen Fragen. Die jüdischen Zuwanderer reagierten verwundert. Nikolaj Epchteine, ein aus Moskau stammender Biologe, der die Gemeinde selbst über Jahre hinweg geleitet und später das beliebte Kultur- und Bildungszentrum »Kibuz« aufgebaut hatte, sieht die Gefahr religiöser Intoleranz: »Dass eine Gemeinde verschiedene Strömungen in sich vereinen und dabei auch säkulare Mitglieder willkommen heißen kann, das sollte auch der Minjan Potsdam verstehen.« Gleichwohl holten Gemeinde und Bauverein zur nachträglichen Architekturkritik von Ud Joffe und Freunden nochmals ein rabbinisches Gutachten ein und wurden dabei in der halachischen Unbedenklichkeit des bisherigen Entwurfes bestätigt.


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