Südafrika

Die Freiheit der anderen

Denis Goldberg verbrachte 22 Jahre in den Gefängnissen des Apartheidregimes. Bis heute setzt sich der weiße Mitstreiter Nelson Mandelas für die Rechte der Schwarzen ein

12.05.2010 – von Annette LübbersAnnette Lübbers

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Umsturz 1961 gründet sich der bewaffnete Flügel des ANC. Denis Goldberg, der mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist, arbeitet dort als technischer Offizier des »Umkhonto we Sizwe« (»Speer der Nation«). Doch 1963 wird er in deren provisorischem Hauptquartier, einer Farm in Rivonia bei Johannesburg, verhaftet und 1964 im sogenannten Rivonia-Prozess angeklagt. Die ihm zur Last gelegten Verbrechen: Verschwörung zum Umsturz der Regierung, Vorbereitung zum bewaffneten Einfall ausländischer Kräfte, Betrieb der Farm als Untergrundhauptquartier und Förderung der ANC-Ziele. »Das war alles ganz richtig. Interessanterweise gab es keine Anklage wegen Hochverrats. Nach dem britischen Gewohnheitsrecht brauchte es nämlich zwei Zeugen, die diesen Punkt belegen. Und das wäre eine schwierige Beweisführung geworden«, stellt Goldberg mit einem triumphierenden Lächeln fest. Vier Weiße und elf Schwarze – darunter Nelson Mandela, Walter Sisulu und Denis Goldberg – werden zu vierfach lebenslanger Haft verurteilt. Von seinem Anwalt erfährt Goldberg, dass die öffentliche Meinung in den Medien eine noch schlimmere Strafe gefordert hatte: »Hängt sie auf!«

16 lange Jahre hat er im Gefängnis keinen Zugang zu Zeitungen. Bis zu 18 Stunden ist er allein in der Zelle, studiert und näht in der restlichen Zeit Postsäcke. »Ich litt darunter, dass man mich von meinen schwarzen Freunden, die auf Robben Is-land inhaftiert waren, getrennt hatte. Jeden Tag musste ich um den Erhalt meiner Menschenwürde kämpfen. Die Wärter hassten uns, und sie wollten unseren Willen brechen. Zeitweise litt ich unter Depressionen und immer hatte ich Angst, dass sie uns töten, bevor sie uns freilassen.«

1985 – nach 22 Jahren – darf Denis Goldberg das Gefängnis tatsächlich verlassen. In Israel besucht er seine Tochter in einem Kibbuz, geht nach England ins Exil und wird zum Vertreter des ANC bei den Vereinten Nationen ernannt. 1994 feiert er jubelnd die Wahl Nelson Mandelas zum Präsidenten Südafrikas. Der lange Kampf hatte sich gelohnt.

Zukunft Heute lebt Denis Goldberg allein in Kapstadt. Seine Frau und Tochter sind bereits tot, der Sohn hat in England eine neue Heimat gefunden. Noch immer engagiert er sich politisch, auf kommunaler Ebene. Mit Lehrern, Wissenschaftlern und Studenten spricht er in seiner Heimat und in Deutschland über die wechselvolle Geschichte seines Landes. Und er gerät ins Schwärmen, wenn er von den damaligen Weggefährten spricht. »Rassismus ist ein Verbrechen und die Befreiung davon ein Wunder«, sagt der alte Mann mit dem streitbaren Temperament und blickt vertrauensvoll in die Zukunft: »Das neue Südafrika ist auf einem guten Weg. Wer hätte gedacht, dass bei uns einmal die Fußballweltmeisterschaft stattfinden würde?« Dann wird die Welt in Goldbergs Heimat zu Gast sein. Und gleichberechtigt in den Stadien Platz nehmen, Schwarz wie Weiß.


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