Ausstellung

»Konsequente Säuberung«

Die Verfolgung von städtischen Bediensteten zwischen 1933 und 1945

21.01.2010 – von Alice LanzkeAlice Lanzke

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Kampflos möchte Hertha Block ihre Stellung nicht aufgeben. Die Bibliothekarin liebt ihren Beruf, er ist ihr »Lebenswerk und Aufgabe« geworden. Am 26. Juli 1933 war sie zusammen mit den Schriftstellern Werner Ilberg und Walter Stolle von der SA verhaftet worden. Acht Wochen wurde Block im Gefängnis in der Schöneberger General-Pape-Straße festgehalten, musste zusehen, wie ihre Freunde gefoltert wurden – um nach der Entlassung ihre Stelle zu verlieren. Die Begründung: Sie habe »noch im Juni 1933 mit kommunistisch eingestellten Literaten Verkehr gepflegt«.

Block entscheidet sich, Einspruch einzulegen – und schreibt einen Protestbrief an Staatssekretär Julius Lippert. Unter seiner Leitung war es seit Frühjahr 1933 zu einer unvergleichlichen »Säuberungsaktion« in der Berliner Stadtverwaltung gekommen: Beamte, Angestellte und Arbeiter der Stadt werden durchleuchtet, um vor allem Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten aus ihrer Stellung zu entfernen.

Das Schicksal der Verfolgten zeigt nun die Ausstellung »... auf dem Dienstweg. Die Verfolgung von Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadt Berlin 1933 bis 1945«, die am Mittwoch im Alten Stadthaus eröff-net wurde. »Mit 100.000 Bediensteten war die Stadt der größte Arbeitgeber«, erklärt Kurator Christian Dirks, dessen Agentur Bergzwo die Ausstellung gemeinsam mit dem Centrum Judaicum im Auftrag der Senatsinnenverwaltung konzipiert hat.

Eine Schwierigkeit bei der Recherche war der dürftige Forschungsstand. »Es hat uns als Historiker schon überrascht, dass das Thema in der Wissenschaft so unterrepräsentiert ist«, sagt Dirks. Bei der Recherche griff er auf die Wiedergutmachungsakten und die Dokumente des Landesarchivs zurück. Im Archiv finden sich vor allem die Akten des Landeskommissariats unter Leitung von Julius Lippert. »Der war in seiner Säuberungsaktion sehr konsequent«, führt Kurator Dirks aus. Viele Dokumente habe er persönlich abgezeichnet – diese sind im Landesarchiv enthalten. Eben jenem Julius Lippert schreibt Bibliothekarin Hertha Block nach ihrer Entlassung am 28. November 1933 einen Brief, in dem sie um Wiedereinstellung bittet. »Da es sich in dieser ganzen Angelegenheit für mich um eine Lebens- und Schicksalsfrage handelt, wäre ich Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie mir die schon eingangs erbetene Unterredung gewähren würden«, so die damals 25-Jährige. Und tatsächlich empfängt sie Lippert persönlich, kommt allerdings zu dem Schluss, die Bibliothekarin sei eine »liberalistisch angekränkelte Intellektuelle«. Sie wird nicht wiedereingestellt, sondern im Juli 1936 erneut für 15 Monate verhaftet. Wieder in der Freiheit, lässt sie ihre Kontakte zum Widerstand ruhen.


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