Kulturtage der IKG

Konzerte, Comics, Lesungen

Die ganze Bandbreite jüdischen Lebens

Aktualisiert am 20.09.2018, 10:26 – von Ellen PresserEllen Presser und Helmut ReisterHelmut Reister

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Immer am ersten Sonntag im September sind die langen Schlangen vor der Synagoge und dem Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeine auf dem Jakobsplatz vorprogrammiert. Mit Führungen, Ausstellungen, Konzerten, Erzählungen, Flohmärkten und koscherem Essen wurde auch diesmal der Europäische Tag der jüdischen Kultur gefeiert, zum 19. Mal. Gleich danach geht es mit den Kulturtagen der IKG weiter. Unter dem Leitgedanken »Storytelling« hat die IKG-Kulturabteilung ein buntes Programm zusammengestellt.

»Israel und seine Comics« – ein Konzert mit Itay Dvori
Graphic Novels aus und über Israel vertont der Komponist und Pianist Itay Dvori mit eigenen Kompositionen und Live-Improvisationen. Mal humoristisch, mal ernst porträtieren Zeichnerinnen und Zeichner wie Asaf Hanuka, Michel Kichka, Rutu Modan und Merav Salomon die Gegenwart ihres Landes. Auch deutsche Comic-Künstler ließen sich von Geschichte und Gegenwart Israels inspirieren. Ein beispielhaftes Werk ist Ticket to God von Jens Harder, das er dem Alltag und der Besonderheit Jerusalems widmete. Vertont werden auch Szenen aus Vor allem eins: Dir selbst sei treu von der Münchner Zeichnerin Barbara Yelin über die Schauspielerin Hanna Maron, die im Berlin der 30er-Jahre die Hauptrolle in Erich Kästners »Pünktchen und Anton« spielte und später eine der größten Schauspielerinnen Israels wurde. Barbara Yelin wird bei der Veranstaltung anwesend sein. Itay Dvori wurde 1976 in Petach Tikwa in Israel geboren. Er studierte Jura und Musik in Tel Aviv und Berlin. Neben seinen Kompositionen für Instrumental- und Vokalensembles, die in Europa und Israel aufgeführt werden, komponiert Itay Dvori für Theater, Tanz und Film. Seit 2015 unterrichtet er an der Hochschule für Musik in Dresden.
(20. September, 19 Uhr, IKG-Gemeindezentrum)

»Loreleys Schwestern« – Jiddische Volkslieder und Kompositionen
Besonders in der Epoche der Romantik entstand eine Fülle an Chormusik als Teil einer erstarkenden bürgerlichen Musikpflege. Die Gesänge behandelten häufig zentrale Themen der Romantik wie Sehnsucht, Liebesfreude und -leid und beruhen oft auf Volksliedern, Märchen und Sagen. Dies spiegelt auch das Programm mit Originalkompositionen und jüdischen Volksliedern wider. Ergänzt wird es durch die Romanzen Opus 11 für Klavier von Clara Schumann in der Interpretation von Yaara Tal. Von hier gibt es eine direkte Verbindung zum letzten Werk des Abends: Clara Schumann war 1870 bei der Uraufführung der Alt-Rhapsodie von Johannes Brahms in Jena im Publikum. Yaara Tal regte deren Adaption in einer Fassung für Tenor, Frauenchor und Klavier an. Diese Version wird – als Welturaufführung – erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
(14. Oktober, 15 Uhr, Gemeindezentrum)

»Leben ist Glühn« – Der Expressionist Fritz Ascher
Der spätexpressionistische Künstler Fritz Ascher verbrachte sein gesamtes Leben in Berlin, überlebte zwei Weltkriege und die Nazi-Verfolgung und entwickelte in Gemälden, Papierarbeiten und Gedichten seine starke und einzigartige künstlerische Stimme. Seiner Kunst ist nun erstmalig eine umfassende Retrospektive gewidmet, die nach Stationen im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, in Chemnitz, in Berlin und Potsdam im Kallmann-Museum Ismaning gezeigt wird (Öffnungszeiten: Di bis So von 14.30–17 Uhr).
(Die Ausstellung wird vom 30. September bis 24. November im Kallmann-Museum, Schloßstraße 3B, Ismaning, gezeigt.)

Führung durch die Ausstellung
Das Kulturzentrum der IKG bietet am Sonntag, 21. Oktober, um 11 Uhr eine Führung unter Leitung der Kuratorin Rachel Stern an. Voranmeldung unter 089/ 20 24 00 491 oder karten@ikg-m.de, Abfahrt kurz nach 10 Uhr mit der S8 ab Marienplatz, Richtung Flughafen.

»Pessach Haggada« – Finissage mit Gesang von und mit Dvora Barzilai
»Die vielleicht wichtigste Geschichte des Volkes Israel, die ›Haggada schel Pessach‹, die von Generation zu Generation weitererzählt wird, hat mich schon immer interessiert. Meine Arbeiten dazu sind in Airbrush und Relieftechnik ausgeführt«, erläutert die 1961 in Tel Aviv geborene vielseitige Künstlerin Dvora Barzilai. Sie studierte Pädagogik und anschließend Malerei, Grafik, Illustration, Kunstdruck und Skulptur. Seit 1992 lebt sie in Wien. Bilder der Künstlerin können erworben werden, ebenso ihre reich bebilderte Pessach-Haggada. Dvora Barzilai ist mit Shmuel Barzilai, dem Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, verheiratet. Er gestaltet mit einem Liederabend den gesanglichen Teil des Abends, unter Mitwirkung von »Schma Kaulenu«, dem Chor der Synagoge Ohel Jakob (Leitung: David Rees), und Luisa Pertsovska. Shmuel Barzilai, Jahrgang 1957, wurde in eine in siebter Generation in Jerusalem ansässige Kantorenfamilie geboren. Der Tenor erhielt seine stimmliche Grundausbildung in Tel Aviv. Außerdem studierte er am Rabbinerseminar von Givatayim. 2006 graduierte er an der Universität Wien im Fach Judaistik zum Magister der Philosophie. Seit 1992 wirkt Barzilai als Oberkantor der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde und tritt weltweit in großen Konzerthäusern auf. Sein Repertoire umfasst neben der liturgischen Musik Klezmer und jüdischen Soul, israelische Lieder sowie klassische Opernpartien.
(23. Oktober, 19 Uhr, Gemeindezentrum. Anmeldung unter 089/20 24 00 491 oder unter karten@ikg-m.de)

»Der Apfelbaum« – Lesung mit Christian Berkel und Filmeinspielungen aus der Dokumentation »Guardians of Heritage – Hüter der Geschichte«
»Jahrelang bin ich vor meiner Geschichte davongelaufen. Dann erfand ich sie neu.« Der Schauspieler Christian Berkel ist für seinen ersten Roman den jüdischen Wurzeln seiner Familie nachgegangen. Im Dialog mit seiner Mutter sucht der Erzähler über drei Generationen zwischen Ascona, Berlin, Madrid, Paris, Leipzig, Moskau und Buenos Aires nach Puzzleteilen seiner Herkunft. Berkel, der in vielen europäischen Filmen und Hollywood-Blockbustern wie Inglourious Basterds von Quentin Tarantino mitwirkte, ist seit 2006 auch in der ZDF-Serie Der Kriminalist zu sehen.
(28. Oktober, 17 Uhr, Gemeindezentrum, Moderation Emanuel Rotstein, Director Production, Eintritt 8/6 Euro, Anmeldung unter 089/20 24 00 491 oder karten@ikg-m.de)

»Eis am Stiel. Von Siegern und Verlierern oder Die Bittersüße Geschichte einer unendlichen Filmproduktion« (4. November, 17 Uhr, Gemeindezentrum)

Eric Friedlers Film überrascht mit einer Annäherung an die Erfolgskinoreihe Eis am Stiel aus den 70er- und 80er-Jahren. Sie befeuerte weltweit Teenager-Sehnsüchte. Das Rezept »Boy meets Girl« korrespondierte mit der sexuellen Revolution und dem zunehmend freizügigen Umgang mit Sexualität in der Gesellschaft. Doch nur wenigen Zuschauern war bewusst, dass dieser Publikumsrenner aus Israel kam und das Image Israels im Rest der Welt nachhaltig und durchaus positiv beeinflusste. Was wurde aus den drei Jungs Johnny, Benny und Momo? Die Dokumentation zeigt die Gewinner und Verlierer des internationalen Erfolgs 40 Jahre später. Eric Friedler (47) gehört zu den wichtigsten Dokumentarfilmregisseuren in Deutschland. Für seine mutigen und filmisch innovativen Werke wurde er international und national ausgezeichnet, unter anderem mehrfach mit dem Grimme-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Auch als Redakteur hat er für die ARD etliche preisgekrönte Dokumentar-, Spiel- und Fernsehfilme entwickelt und betreut.
(Anmeldung unter 089/20 24 00 491 oder karten@ikg-m.de)

»An die Gemeinschaft und die Welt – Gedanken zu drängenden Fragen der Zeit« – Lesung mit Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und weiteren prominenten Gästen
»Seit vielen Jahren spielt Rabbiner Pin­chas Goldschmidt eine führende Rolle im jüdischen Leben Europas. In diesen Essays und Reden verknüpft er das Judentum mit einigen der dringlichsten gesellschaftlichen, moralischen und spirituellen Herausforderungen unserer Zeit«, beschreibt Rabbiner Lord Jonathan Sacks Pinchas Goldschmidt. Der Buchautor ist seit 1993 Oberrabbiner von Moskau und seit 2011 Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz.
(Die Lesung muss auf den 14. Februar 2019 verschoben werden.)

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