Osnabrück

Fenster in die Ferne

Das Nussbaum-Haus zeigt in einer Sonderausstellung Werke des Malers Yury Kharchenko

20.08.2018

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück präsentiert seit Sonntag in einer Sonderausstellung Gemälde des 1986 in Moskau geborenen deutsch-jüdischen Künstlers Yury Kharchenko. Bis zum 18. November sind unter dem Titel Kein Ort Zuhause großformatige, bis zu 3,50 Meter hohe Bilder von Häusern und kleinere Fensterbilder zu sehen.

In seinen Werken setze er sich ähnlich wie der von den Nationalsozialisten ermordete jüdische Maler Felix Nussbaum mit seiner eigenen Identität auseinander, sagte Kharchenko im Vorfeld der Sonderausstellung. »Mich beschäftigt die alte Frage, wie man nach dem Holocaust in diesem Land leben und Kunst machen kann.«

Judentum Ende der 90er-Jahre ist Kharchenko mit seinen Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland übergesiedelt. Weder seine Eltern noch er selbst seien damals religiös gewesen. Erst während des Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf habe er sich mit seiner jüdischen Identität auseinandergesetzt. Durch antisemitische Beleidigungen sei er quasi darauf gestoßen worden.

Ein Teil seiner Arbeiten stammt aus einer Zeit, in der er sich intensiv mit philosophischen und literarischen Fragen beschäftigt hat; mit Jacques Derrida, Nelly Sachs und Paul Celan. »Es hat mich interessiert, wie diese Menschen existenzielle Fragen beantwortet haben und mit ihrem Jüdischsein umgegangen sind«, sagte Kharchenko 2016 im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Oder auch die amerikanischen Expressionisten wie Mark Rothko, die aus der Sowjetunion auswanderten und sich in den USA neu sozialisierten.«

In seinen in bunten Farben leuchtenden und nach eigener Aussage »durchaus fröhlichen« Hausbildern scheinen immer auch dunkle, undurchsichtige und verwaschene Szenen auf. Kharchenko kombiniert dicke Pinselstriche mit flüssigen verlaufenden Farben, die sich wie Schlieren über die Gemälde ziehen.

betrachter Der Betrachter erkennt auf den meisten Bildern ein überdimensionales spitzes Dach und zur Seite gezogene Vorhänge. »Man glaubt, etwas schemenhaft zu erkennen, und wird dann doch wieder auf sich selbst zurückgeworfen«, erläuterte der Künstler.

Der Zyklus magic windows der kleinformatigen Fensterbilder ist in einem engen aufsteigenden Korridor zu sehen, an dessen Ende Nussbaums letztes Bild »Triumph des Todes« hängt. In eher düsteren Farben sind Personen schemenhaft zu erkennen, die durch Fenster in die Ferne schauen. epd/ja

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 14.09.2018

Ausgabe Nr. 37-38
vom 14.09.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
6°C
wolkig
Frankfurt
7°C
heiter
Tel Aviv
24°C
heiter
New York
22°C
regenschauer
Zitat der Woche
»Eine Menge von Vogelschiss ist ein
Misthaufen, und auf den gehören Sie.«
Ex-SPD-Chef Martin Schulz in der Generaldebatte des Bundestags am
Mittwoch zu AfD-Fraktionschef Alexander Gauland