Itzhak Perlman

»Ein Leben für die Musik«

Ein neuer Kinofilm porträtiert den Geigenvirtuosen zwischen Natürlichkeit und Selbstinszenierung

09.08.2018 – von Jens BalkenborgJens Balkenborg

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Itzhak Perlman mag Baseball. In den ersten Einstellungen von Alison Chernicks Dokumentarfilm Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik folgt die Kamera dem im elektrischen Rollstuhl sitzenden jüdischen Violinenvirtuosen ins Stadion der New York Mets. Er trägt ein Trikot mit der Nummer 70, während er auf dem Grün inbrünstig die Nationalhymne der Vereinigten Staaten zum Besten gibt.

Ein passender Auftakt, denn Chernicks Porträt des Musikers ist auch eine Geschichte über Migration. Die Eltern des heute 72-jährigen Polio-Überlebenden waren wegen des Judenhasses in ihrer polnischen Heimat nach Palästina emigriert, wo auch er geboren wurde.

Karriere 1958 begann Perlman ein Musikstudium an der New Yorker Juilliard School, im selben Jahr sorgte sein Auftritt in der Ed Sullivan Show für internationales Aufsehen. Während seiner musikalischen Ausbildung hatte Perlman noch mit Vorurteilen wegen seiner Behinderung zu kämpfen, überzeugte aber mit Talent – und gehört heute zu den ganz Großen.

Locker-flockig lebt der Musiker die elitäre musikalische Hochkultur ebenso wie den »American Way of Life«. In einer amüsanten Szene etwa sehen wir ihn und seine adrett gekleideten Mitmusiker in der Probenpause Fast Food essen. »Oh, es sind Chicken Wings!«, freut sich der Violinist. Es ist einer der wahrhaften Momente, von denen es im Film einige gibt.

Denn trotz Archivaufnahmen und Gesprächen mit Weggefährten, die Chernick einstreut, geht es ihr nicht um einen systematischen biografischen Abriss. Ohne Off-Kommentar überlässt sie oft dem humorvollen und sympathischen Musiker die Bühne und baut auf Situationen statt auf Vollständigkeit. Ihr Film bewegt sich zwischen Natürlichkeit und Selbstinszenierung.

eindrücklich Immer wieder beobachtet die Kamera Perlman im Kreise von Freunden und Familie, etwa bei während eines Konzerts von Billy Joel. Zu den eindrücklichsten Szenen gehört jedoch das Treffen in Israel mit dem Instrumentenbauer Amnon Weinstein, der Geigen wieder zum Klingen bringt, die Schoa-Opfern gehörten.

Perlman greift zur Violine und spielt das Hauptthema aus Steven Spielbergs Schindlers Liste, mit dem der Musiker einst einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde. Hier zeigt sich die große Kunst Perlmans, mit seinem transzendierenden Violinspiel die Tiefen der menschlichen Empfindungen auszuloten wie kein anderer.

»Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik«: ab Donnerstag im Kino

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