Eröffnungsgala

Ein Klassiker in Potsdam

Mit einem Dokumentarfilm über den Geiger Itzhak Perlman begann das 24. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg

Aktualisiert am 27.06.2018, 17:26 – von Katharina Schmidt-HirschfelderKatharina Schmidt-Hirschfelder

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Passender hätte der Auftakt kaum sein können – ein junges jüdisches Geigertalent aus Bernau spielt zwischen den Grußworten von Politikern und Paten und mischt sich dann erwartungsvoll unters Premierenpublikum, um sein großes Vorbild auf der Kinoleinwand zu sehen: Itzhak Perlman, den wohl bedeutendsten Ausnahmegeiger unserer Zeit, der wegen seiner Polio-Erkrankung im Israel der 50er-Jahre hart zu kämpfen hatte, mit 13 Jahren in die berühmte Juilliard School aufgenommen wurde und auf Gehhilfen Weltkarriere machte.

Klassische Musik stimmte also ein auf einen klassischen Film für ein Festival, das inzwischen selbst ein Klassiker ist, hatte Moderator und Filmexperte Knut Elstermann David Malaev an der Geige und seinen Bruder Marlen am Klavier zum Auftakt der Eröffnungsgala des 24. Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg (JFBB) angekündigt.

Mit der Europapremiere von Itzhak wurde am Dienstagabend im Potsdamer Hans Otto Theater ein Dokumentarfilm gezeigt, der ab dem 9. August auch in die deutschen Kinos kommt. Der amerikanischen Regisseurin Alison Chernick ist die emotionale Nahaufnahme eines Musikers gelungen, der als »Meister der Violine« gilt. Rührend zu Beginn des Films gleich die erste Szene – sie zeigt den begeisterten Baseball-Fan Perlman mit seiner Frau Toby zum Auftakt eines Spiels der New York Mets, wie er in Mets-Jacke auf dem Citi Field die amerikanische Nationalhymne spielt.

stolz Besondere Filme wie diesen nach Berlin und Brandenburg zu holen und einem großen nichtjüdischen Publikum zu zeigen, sei vor allem das Verdienst von Festivaldirektorin Nicola Galliner, darin waren sich alle Redner an diesem Abend einig. »Ich bin stolz, hier zu sein, besonders, nachdem ich erst vor wenigen Tagen Nicola Galliner mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburgs auszeichnen durfte«, betonte Ministerpräsident Dietmar Woidke, Schirmherr des Festivals.

Der brandenburgische Ministerpräsident griff auf ein früheres Zitat der Festivalleiterin von 2004 zurück, man lebe in Berlin-Brandenburg bezogen auf die Kultur »in einer jüdischen Wüste«. Nicola Galliner und ihr Team hätten nicht nur das Festival vor 24 Jahren zum Leben erweckt, sondern es auch »immer besser, immer bunter, immer schöner gestaltet«, sagte Woidke. Dass dieses Vorhaben gelungen ist, sei auch der guten Kooperation mit dem Land Berlin zu verdanken. »Vielleicht hätten wir, die Finanzminister und Finanzsenatoren uns früher hier zusammenfinden sollen«, sagte Woidke scherzhaft in Anspielung auf die immer wieder schwankende Finanzierung des Festivals.

Er dankte dem Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), der stellvertretend für den Regierenden Bürgermeister zu Berlin, Michael Müller (SPD), ebenfalls Schirmherr des JFBB, zur Gala gekommen war, dafür, dass das Festival nun auf »besseren finanziellen Füßen« stehe als in den vergangenen Jahren. Woidke betonte, dass es heutzutage verstärkt darauf ankomme, einzutreten »gegen Antisemitismus, gegen Antiisraelismus«. Deswegen sei dieses Festival heute wichtiger denn je. Für Berlin und Brandenburg sei es unverzichtbar, denn es erreiche sehr viele Menschen.

verständigung Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) knüpfte unmittelbar an die Worte seines Vorredners an. »Indem es viele Facetten israelischer und jüdischer Kultur ausleuchtet, schlägt das Filmfestival eine Brücke der Toleranz und der Verständigung.« Als Vertreter des Landes Berlin sei es für ihn wichtig zu betonen, dass es in Berlin »keinen Platz für Hass und Antisemitismus geben dürfe« – das sei auch eine der wichtigen Botschaften dieses Filmfestivals.

Und dennoch dürfe man das Jüdische Filmfestival nicht allein darauf reduzieren, forderte Festivalpate Volker Beck. Der Grünen-Politiker und langjährige Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe betonte, dass das Festival »ein Wert an sich« sei. Jüdisches Kulturleben sei nicht ausschließlich als Mittel gegen Antisemitismus oder für Vergangenheitsbewältigung zu begreifen, sondern »um seiner selbst willen«.

Auch er hob das »außerordentliche Verdienst« Nicola Galliners hervor, »dieses riesige Projekt aufgebaut« zu haben und jedes Jahr aufs Neue zu stemmen. Beck appellierte mit deutlichen Worten an den Bund, die »Bedeutung dieses Filmfestivals für ganz Deutschland« anzuerkennen und entsprechend zu unterstützen.

»Jüdische Filme und Filme zu jüdischen Themen entstehen auf der ganzen Welt; entsprechend versteht sich das Jüdische Filmfestival Berlin und Brandenburg als globales Forum«, sagte der Bundesbeauftragte für Antisemitismus, Felix Klein, in seinem Grußwort. »Wir sind alle froh über diese Tradition«, betonte Klein, »jüdisches Filmschaffen aus Israel und aller Welt in Berlin und Brandenburg einem breiten Publikum zugänglich zu machen«. Klein dankte Nicola Galliner für das »wundervolle, vielfältige Programm«.

preise Voll des Lobes war auch Kent Logsdon, Gesandter der amerikanischen Botschaft in Berlin. Das JFBB zähle für ihn »zu den jährlichen Höhepunkten des Kulturjahres in der Bundesrepublik«. Denn es biete »eine Plattform zum Gedenken an die Vergangenheit«, werfe aber auch die Frage auf, »was es heißt, in der heutigen Zeit jüdisch zu sein«, sagte der Diplomat. Die US-Botschaft gehört seit einigen Jahren zu den Partnern des Filmfestivals. Itzhak, das Porträt des »Rockstars unter den Klassikern«, sei »ein wahrlich würdiger Eröffnungsfilm für ein solches Festival«, betonte Logsdon.

Ein wenig gedulden mussten sich die Galagäste jedoch noch, Itzhak zu sehen. Denn neben den Regiepreisen für den besten Spielfilm sowie den besten Dokumentarfilm, die am Ende des Festivals vergeben werden, wird bereits bei der Eröffnungsgala eine besondere Empfehlung für einen deutschen Film mit jüdischer Thematik ausgesprochen.

Diese ging in diesem Jahr an zwei Filme: Die Unsichtbaren – Wir wollen leben, ein zum Teil dokumentarischer Spielfilm von Claus Räfle aus dem Jahr 2017, der das Untertauchen von jüdischen Flüchtlingen während des Zweiten Weltkriegs in Berlin thematisiert, und Mohammed und Anna von Taliya Finkel. Der Film erzählt die Geschichte vom ägyptischen Arzt Mohamed Helmy, der während der Nazizeit sein Leben riskierte, als er 1941 in Berlin die 17-jährige Jüdin Anna Boros und ihre Familie bis Kriegsende vor der drohenden Deportation bewahrte.

Bis zum 5. Juli stehen 42 aktuelle Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme auf dem Festivalprogramm. Damit ist das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg eines der größten Festivals für jüdische und israelische Filmkunst in Europa. Die Filme werden in insgesamt 13 Spielstätten in Berlin, Potsdam, Königs Wusterhausen und Brandenburg an der Havel gezeigt.

www.jfbb.de

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