Ruhrtriennale

Band nach Antisemitismus-Streit wieder eingeladen

Entscheidung stößt zunehmend auf Kritik. BDS-Aktivisten hatten nach Absage des Konzerts zu Boykott des Festivals aufgerufen

Aktualisiert am 22.06.2018, 11:15

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Eine Woche nach der Absage ihres Konzerts durch den Veranstalter darf die Band »Young Fathers« doch bei der diesjährigen Ruhrtriennale auftreten. Intendantin Stefanie Carp erklärte am Donnerstag in Bochum, sie wolle die schottische Hip-Hop-Band erneut zu dem Konzert in Bochum am 18. August einladen.

Carp hatte die Band vor einer Woche ausgeladen, weil sich die Band der israelfeindlichen BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) angeschlossen hatte. Der BDS-Bewegung wird immer wieder vorgeworfen, antisemitische Hetze zu verbreiten. Sie will Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren.

young fathers Intendantin Carp erklärte, sie lade die »Young Fathers« ein und nicht die BDS-Bewegung. Die Musiker hätten in vielen Interviews glaubhaft gemacht, dass sie Antisemitismus in jeder Form ablehnten. »Ich bin der Meinung, dass wir die unterschiedlichen Perspektiven und Narrative zulassen müssen, da diese Offenheit das dramaturgische Credo unseres Programmes ist.« Sie müsse die Freiheit der Kunst verteidigen und wolle unter keinen Umständen Zensur ausüben, erklärte Carp.

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) kritisierte die erneute Einladung der »Young Fathers« scharf, weil BDS in ihren Handlungen und Zielen das Existenzrecht Israels infrage stelle. »Dies ist gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte nicht akzeptabel«, sagte Pfeiffer-Poensgen. »In Zeiten zunehmender antisemitischer Straftaten und anderer Vorfälle, leider auch in Nordrhein-Westfalen, ist dies ein falsches Signal.«

rücktritt Thomas Nückel, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag von NRW, fordert unterdessen den Rücktritt von Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp. »Sie sollte die Konsequenzen ziehen, und sofort zurücktreten«, sagte Nückel dem Blog Ruhrbarone. »Dass die Intendantin eine Band wie die ›Young Fathers‹, deren Haltung ja bekannt war, eingeladen hat, war bereits ein Fehler. Die Gruppe dann, als Kritik aufkam, auszuladen, um nun vor der BDS-Kampagne einzuknicken, weil ein paar antisemitischer Hetzer sich im Internet beklagen, zeugt von mangelndem Rückgrat.« Carp habe die Ruhrtriennale beschädigt.

Als Reaktion auf die Ausladung der Young Fathers durch das Festival vergangene Woche hatten prominente Künstler und bekannte BDS-Aktivisten wie der Musiker Brian Eno und der Regisseur Ken Loach zu einem internationalem Boykott der Ruhrtriennale aufgerufen. Dem hatten sich mit Tony Eile, Mazen Kerbaj, Hassan Khan, Sharif Sehnaoui und Raed Yassin jetzt fünf Künstler angeschlossen.

zentralrat Viel Lob für für die Entscheidung der Ruhrtriennale-Intendanz, Israelhassern keine Bühne zu bieten, war vonseiten des Zentralrats der Juden in Deutschland gekommen. Der Zeitung »Die Welt« hatte Zentralrats-Vizepräsident Abraham Lehrer am Dienstag gesagt: »Es war klug, der Band die Chance zu geben, sich zu äußern, und dann die Konsequenzen zu ziehen. Andere Festivals sollten sich an der Ruhrtriennale ein Beispiel nehmen.«

BDS wurde im Jahr 2005 auf den Aufruf von über 170 palästinensischen Nichtregierungsorganisationen hin ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, durch gezielte Boykottaufrufe Israel international zu isolieren und als angeblichen »Apartheidstaat« zu diffamieren. Dabei hat sie sowohl israelische Firmen und Institutionen als auch Wissenschaftler und Künstler im Visier.

CDU In der deutschen Politik ist die BDS-Bewegung aufgrund ihres von Experten als antisemitisch charakterisierten Engagements in jüngster Zeit zunehmend unter Druck geraten. Auf ihrem Parteitag Ende 2015 verabschiedete die CDU einstimmig eine deutliche Resolution gegen BDS. Der Aufruf zum Boykott israelischer Waren sei »nichts anderes als plumper Antisemitismus, wie ihn schon die Nationalsozialisten instrumentalisiert hatten«, begründete die Partei ihren Beschluss. Die Berliner SPD folgte im vergangenen Jahr.

Jüngst hatten die Städte München, Frankfurt und Berlin beschlossen, BDS zu ächten. Künftig soll in diesen Städten sichergestellt werden, jeglichen Aktivitäten von Institutionen, Vereinen oder Einzelpersonen, die BDS unterstützen, weder Räumlichkeiten der Stadt noch der städtischen Gesellschaften zu stellen oder Zuschüsse zu zahlen. epd/ja

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