Mainz

»Schockiert und sprachlos«

Jüdische Gemeinde trauert um Susanna F. – laut Ermittler wurde die 14-Jährige ermordet. Zentralrat der Juden fordert rasche Aufklärung

Aktualisiert am 10.06.2018, 00:32 – von Philipp Peyman EngelPhilipp Peyman Engel

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Mit tiefer Betroffenheit hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Nachricht von dem Gewaltverbrechen an der 14-jährigen Susanna F. aus Mainz vernommen. »Einem jungen Leben wurde auf grausame Weise ein Ende gesetzt«, heißt es in einer am Donnerstagnachmittag verbreiteten Presseinformation. »Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden.«

Derzeit seien viele Hintergründe der Tat noch unklar. »Wir erwarten von den Strafverfolgungsbehörden eine rasche und umfassende Aufklärung sowie harte Konsequenzen für den oder die Täter. Voreilige Schlüsse oder Spekulationen verbieten sich jedoch.«

Rabbiner Auch die Jüdische Gemeinde Mainz hat mit Trauer und Entsetzen auf den Tod von Susanna F. reagiert. »Ich bin über den gewaltsamen Tod von Susanna so bestürzt, traurig und fassungslos, wie man nur sein kann«, sagte der Mainzer Gemeinderabbiner Aharon Ran Vernikovsky der Jüdischen Allgemeinen.

»Ich bin schockiert und sprachlos«, so Rabbiner Vernikovsky weiter. Die gesamte Jüdische Gemeinde Mainz trauere um ihr junges Gemeindemitglied. »Wir werden für Susannas Familie da sein und ihr, so gut es geht, helfen und sie unterstützen.«

Der Fall um die verschwundene Susanna hatte in den vergangenen Tagen in ganz Deutschland für Entsetzen gesorgt. Die Polizei suchte seit dem 22. Mai nach dem verschwundenen Mädchen – ohne Ergebnis. Am Mittwoch nun hat die Polizei die Leiche gefunden. Bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden gab die Polizei bekannt, dass sich die Tat bereits am 22. Mai ereignet haben soll.

Hinweise Die Ermittler gehen von Vergewaltigung und Mord durch zwei Männer aus. Diese werden beschuldigt, das Mädchen in der Nacht vom 22. auf 23. Mai vergewaltigt zu haben. Anschließend hätten sie es getötet und an einem Bahndamm in Wiesbaden-Erbenheim begraben, erklärte die Polizei. Die entscheidenden Hinweise auf den Fundort der Leiche habe ein 13-jähriger Flüchtling gegeben, der Susanna und einen der Täter gekannt habe.

Bei den beiden Tätern handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 35-jährigen Asylbewerber mit türkischem Pass. Er wurde bereits festgenommen. Der zweite mutmaßliche Täter, der 20-jährige irakische Flüchtling Ali B., soll vergangene Woche mit seiner Familie überstürzt von Düsseldorf über Istanbul in den Irak abgereist sein. Nach ihm wird international gefahndet.

Der Mann sei den Behörden bereits bekannt gewesen, teilte die Polizei mit. Im vergangenen Jahr soll er in eine Schlägerei involviert gewesen sein und Frauen beleidigt haben. Darüber hinaus soll er, so die Ermittler, ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt haben. Die Ermittlungen dazu dauern an.

Festnahme Am Freitagnachmittag wurde unterdessen bekannt, dass der 20 Jahre alte Tatverdächtige Ali B. im Irak gefasst worden ist. Das teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zum Abschluss der Innenministerkonferenz im sachsen-anhaltischen Quedlinburg mit.

Der irakische Staatsbürger sei in der Nacht zum Freitag gegen zwei Uhr durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak festgenommen worden. Seehofer dankte den Sicherheitskräften für die Festnahme, die auf Bitten der deutschen Bundespolizei erfolgt sei.

Am Samstagabend wurde der Tatverdächtige Ali B. nach Deutschland ausgeliefert. Der Iraker sei um 20.25 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen eingetroffen, teilte die Polizei mit. Ali B. ist nach derzeitigem Stand der Ermittlungen der Hauptverdächtige im Mordfall des jüdischen Mädchens.

Der zweite Tatverdächtige ist seit Donnerstagabend wieder auf freiem Fuß. Nach gegenwärtigen Ermittlungserkenntnissen bestehe kein dringender Tatverdacht mehr gegen den 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit, teilte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn mit.

Anteilnahme Am Samstagnachmittag fand eine öffentliche Trauerkundgebung für Susanna F. statt. Am Rande der Gedenkstunde im Mainzer Regierungsviertel nahmen zumeist jüngere Menschen teil. Redner verurteilten dabei die Tat und alle Formen von Gewalt gegen Frauen, warnten aber davor, das Verbrechen für fremdenfeindliche Hetze zu instrumentalisieren.

Für Montagabend hat der DGB in Zusammenarbeit mit der Stadt eine große Trauerkundgebung für die ermordete Schülerin angemeldet. Das »Stille Gedenken« auf dem Gutenbergplatz, »um auch in schmerzvollen Momenten zusammenzustehen und unsere Trauer zu zeigen«, beginnt um 18 Uhr. (mit epd)

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