Schmitta-Jahr

Hausordnung

Was die Regeln des Schmitta-Jahres für Juden in Israel und im Ausland bedeuten

21.02.2008 – von Rabbiner Avichai ApelRabbiner Avichai Apel

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von Rabbiner Avichai Apel

Jeder, der in diesem Jahr Israel besucht oder Interesse an den Geschehnissen in dem Land hat, hat wahrscheinlich davon erfahren: Dieses Jahr ist ein Brach- oder Schmittajahr. Auch an dieser Stelle wurde schon darüber berichtet. Vielleicht lohnt es sich nun zu prüfen, ob es irgendeine Folge für einen Juden hat, der nicht in Eretz Israel lebt und ob es auch Folgen für andere Lebensbereiche gibt.
Doch erst einmal ein Blick in die Tora: 40 Jahre hielt sich das Volk Israel in der Wüste auf, nachdem es Ägypten verlassen hatte. Als das Volk Eretz Israel erobert hatte und das Land besiedelte, wurde es angewiesen, „alle sieben Jahre für ein Jahr die Landarbeit einzustellen“. Zwar gibt es einige Arbeiten, die auch in diesem Jahr erlaubt sind, aber die meisten Landarbeiten sind verboten.
Genauso wie der Mensch von der Tora angewiesen wurde, sich von jedem Freitag- bis Samstagabend von der Arbeit auszuruhen, so soll auch die Erde sich alle sieben Jahre für ein Jahr von der Arbeit er-
holen, so wie in der Tora steht: „Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln, aber im siebenten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Schabbat halten“.
Was verbirgt sich hinter der Forderung, den Boden in Eretz Israel ein Jahr lang ruhen zu lassen? Es ist zwar heutzutage bekannt, dass es wichtig ist, dass das Land ab und zu ruhen soll, um das Wachstum zu verbessern. Aber warum wurde ein Sondergesetz für den Boden in Eretz Israel eingeführt? In diesem Zusammenhang soll erwähnt werden, dass für die Nichteinhaltung der Schmitta in der Tora eine Strafe für das Volk Israel vorgeschrieben ist. Falls es die Schmitta nicht einhält, wird es mit Exil bestraft, so dass das Land sein Ruhejahr nachholen kann! So steht es in der Tora geschrieben: „Aber das Land wird von ihnen verlassen sein und seine Schabbate nachholen, solange es wüst liegt, und sie werden die Strafe für ihre Missetat abtragen, weil sie meine Rechte verachtet und an meinen Satzungen Ekel gehabt haben.“
Das Volk Israel wurde aus den Völkern ausgewählt, um der Anweisung Gottes voll-ständig zu gehorchen und über die Taten Gottes durch eigene Gebote zu erzählen. Wie zum Beispiel durch das Einhalten der Ruhe am Schabbat, wodurch wir Gott zeigen, dass er die Welt geschaffen hat und am Schabbat von der Arbeit ruhte. Genauso wie das Volk Israel, das von Gott besonders behandelt wird, so wird auch Eretz Israel anders als alle anderen Länder behandelt. Die Juden, die da leben, müssen besondere Gesetze befolgen, deren Aufgabe darin besteht, die Bedeutung von Eretz Israel zu dokumentieren. Diese ist nicht allein territorial, sondern auch geistlich, denn es ist das Land, in welchem Gott seine Göttlichkeit verbreiten wollte. Gott hat das Land für das Volk vorgesehen, das er auserwählt hatte, um ihm zu dienen.
Wir heben in einem regelmäßigen Zyk-
lus alle sieben Jahre ein einzelnes Jahr ganz besonders hervor. Da der Mensch materiell ausgerichtet ist, wird er vielleicht das Gefühl haben, dass alles ihm gehört, und er alleiniger Herrscher ist, der alles führt. Dieser Zustand erzeugt unmoralisches Verhalten des Menschen, weil er da-
von überzeugt ist, dass er das höchste We-
sen ist, der alles andere von oben herab betrachtet. Bereits am Schabbat-Gebot konnten wir sehen, dass die Tora gleichzeitig die Möglichkeit der Doppelmoral des Menschen verhinderte, als sie uns zu Ruhe am Schabbat verpflichtete. Der Mensch sollte nicht selber ruhen und seine Untergebenen für sich arbeiten lassen, heißt es in der Tora: „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun; aber am siebenten Tage sollst du feiern, auf dass dein Rind und Esel ruhen.“ Alle sind verpflichtet zu ruhen, der Besitz des Menschen wird von ihm wegen der Ruhepflicht für einen Tag „beschlagnahmt“. An diesem Tag herrscht er nicht und gewinnt Freiheit, die am Schabbat-Ausgang wieder durch die Rückkehr in den Alltag reduziert wird. Es ist dadurch klar, dass die Herrschaft des Menschen auf sechs Tage beschränkt wird.
Das Brachjahr sollte diese Erkenntnis auch auf das nationale Niveau heben, das heißt auf die Herrschaft des Volkes Israel in Eretz Israel. Die Tora beabsichtigt nicht zu sagen, dass in diesem Jahr das Land freigegeben wird, so dass andere Völker es beherrschen könnten. Es handelt sich da-
bei um eine Ruhezeit für Gott, eine Zeit, in der der Mensch lernt, dass das Land letzt-endlich Gott gehört. Es ist nicht das Land des Volkes Israel! Das Volk Israel ist ein Ehrengast im Auftrag Gottes in Eretz Israel und als solcher sollte es das Land mit Respekt behandeln, und in ihm entsprechend den Anweisungen Gottes, „dem Hausherrn“, leben. Eretz Israel wurde un-
ter allen Ländern auserwählt als das Land, das Gott als Beispiel für die ganze Welt ausgesucht hat. An diesem Ort diktieren moralische Verhaltensweisen das Leben und natürlich nicht Besitztum und Materialismus. Im 3. Buch Moses 20,23 heißt es: „Darum sollt ihr das Land nicht verkaufen für immer; denn das Land ist mein, und ihr seid Fremdlinge und Beisassen bei mir.“
Deshalb wurde dieses Gebot speziell den Juden, die in Eretz Israel leben, gegeben. Jeder Boden, der dort einem Nichtjuden gehört, ist von der Ruhepflicht befreit, obwohl sein Grund in dem auserwählten Land liegt. Es gibt nämlich eine Verbindung zwischen dem Volk, das die Tora er-
hielt und dem Land, wo es lebt und Gottes Besitz ist. Von daher ist klar, dass die Ge-
setze der Schmitta gerade die Juden in Eretz Israel betreffen.
Dennoch müssen wir noch etwas aus diesem Gebot lernen. Im Kern dieses Ge-
botes findet man den Schlüssel für den Aufbau einer gesünderen Welt. Es handelt sich dabei um ein Erziehungssystem für den Menschen. Es soll ihm die Erkenntnis bringen, dass selbst das, was unter seiner Herrschaft steht, ihm nicht gänzlich gehört, sondern es durch Gott zur Verfügung gestellt wurde. Es handelt sich um eine Erziehungsmaßnahme nicht nur für den gläubigen Menschen, der erkennt, dass letzten Endes Gott die finanziellen Systeme der Welt diktiert. Selbst wenn wir viel Einfluss auf die Höhe unserer Gehälter haben, so kommt letztendlich die Entscheidung darüber von Gott.
Es ist genauso in den Beziehungen zwischen den Menschen und den Beziehungen in der Gesellschaft. Es gibt hier eine moralische Lehre, welche uns sagen möchte: Auch wenn euch vieles gehören mag, ermöglicht es euch doch nicht die exklusi-ve Herrschaft darüber. Die Vermögenden besitzen unterschiedliche Seiten. Sie sind zwar wohlhabend und können sich alles leisten, weil sie gearbeitet haben und mit Gottes Hilfe das Geld angesammelt haben. Das Problem beginnt dann, wenn die Vermögenden ihr Kapital dafür verwenden wollen, Dinge zu ihren Gunsten zu beeinflussen und dabei die unteren Klassen missbrauchen. An dieser Stelle kommt die Tora und bildet ein Rechtssystem, das den Missbrauch verhindern soll. Das Brachjahr soll den Menschen erziehen, dass es eine Grenze für die Kontrolle über seinen Besitz gibt. Selbst der Mensch, der seinen alleinigen Lebensunterhalt mit dem Feld verdient, muss sich in diesem Jahr eine andere Einkommensquelle suchen.
Wenn er alles richtig macht, dann wird das, was in der Tora steht, in Erfüllung ge-
hen: „So will ich meinem Segen über euch im sechsten Jahr gebieten, dass er Getreide schaffen soll für drei Jahre.“ Das bedeutet, dass die Ernte so weit gesegnet sein wird, dass die Ernte des sechsten Jahres bis zum achten Jahr reichen wird, in welchem der Mensch zur gewohnten Landarbeit zurück-kehrt.

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