Finale

Der Rest der Welt

Bamba auf Rädern: Danke, Toyota Previa!

11.01.2018 – von Beni FrenkelBeni Frenkel

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Seit Jahren ist der VW Golf das beliebteste Auto der Deutschen. Mittlerweile gibt es ihn bereits in der siebten Modellreihe. An seinem Aussehen haben die Ingenieure wenig herumexperimentiert. Das hat zur Folge, dass er seit 1974 mehr oder weniger gleich aussieht. Etliche Frauen wünschten sich auch so ein Ergebnis beim Lifting.

Wenn wir von dem deutschen Auto reden, müssen wir natürlich auch von dem jüdischen Auto reden. Diesmal ist es kein deutsches Auto, sondern es kommt aus Japan. Meine Damen und Herren, ich bitte um Applaus für den Toyota Previa!

Parve Dieser Toyota ist weder schnell, schön noch modern. Er ist nicht fleischig und nicht milchig. Irgendetwas dazwischen. Deshalb hat der Toyota Previa die gleiche Wurzel wie das hebräische Wort parve.

Vorne sieht das bauchige Ungetüm so aus wie hinten. Wer ihn sich noch immer nicht vorstellen kann, denke an ein Bamba (israelische Erdnussflips) mit vier Rädern – et voilà!

Aber, und nun kommen wir endlich zu seinen Vorzügen, der Toyota Previa bietet Platz ohne Ende. Mit seinem Markteintritt im Jahr 1990 hat er bei jüdischen Großfamilien gleich eingeschlagen. Der Previa bot als einer der ersten Vans Platz für acht Personen. Perfekt für die durchschnittliche religiöse Familie mit sechs Kindern.

Das relativ günstige und zuverlässige Auto war der Renner bei den Orthodoxen. Zumindest in Zürich. Es gab Zeiten, da fuhr – schätzungsweise – jede zweite orthodoxe Familie einen Previa.

Playdate Wenn ich in der Stadt einen Toyota Previa sehe, grüße ich immer den Fahrer oder die Fahrerin. Sicherheitshalber. Einige Modelle kurven schon seit über 20 Jahren auf unseren Straßen herum. Die vielen Beulen und Schrammen weisen nicht unbedingt darauf hin, dass der Fahrer weiblich ist, sondern auf das Selbstverständnis der Besitzer: Der Previa ist kein schönes Auto, er muss auch nicht ausgebeult werden. Hauptsache, er bringt Jossi, Janki, Surele und Dwoiri zum Playdate.

Doch leider ist der orthodoxe Automarkt zu klein für ein Auto. Damit der Previa weiterleben kann, hätten ihn auch Nichtjuden kaufen müssen. Gemäß »auto-schweiz«, das ist die Vereinigung der Automobil-Importeure, ist der letzte Previa Ende 2011 verkauft worden. Zumindest in der Schweiz.

Seinen stillen Tod haben unsere Rabbiner aber noch nicht als Fastentag taxiert. Und sie haben natürlich recht. Erstens glauben wir Juden an eine Wiedergeburt, und zweitens gibt es zum Beispiel den Toyota Sienna. Und der bietet Platz für neun Personen. Oj Gewalt!

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 21.06.2018

Ausgabe Nr. 25
vom 21.06.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Sommer
Berlin
11°C
regenschauer
Frankfurt
10°C
wolkig
Tel Aviv
23°C
heiter
New York
21°C
wolkig
Zitat der Woche
»Susan Sideropoulos ist Jüdin. Das war bislang kein Problem.«
Die »Welt« berichtet, wie die Schauspielerin Antisemitismus wahrnimmt.