Trumps Jerusalem-Erklärung

Gemischtes Echo bei jüdischen Organisationen

AIPAC: »Wichtiger historischer Schritt«. US-Reformbewegung: »Schlechter Zeitpunkt, aber erwartbar«

Aktualisiert am 07.12.2017, 14:14

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Amerikanisch-jüdische Organisationen haben unterschiedlich auf die Erklärung von US-Präsident Donald Trump vom Mittwochabend reagiert, laut der die USA Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkennen und ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen wollen.

Das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) twitterte kurz nach der Rede Trumps, es handele sich um einen »wichtigen historischen Schritt, für den wir dankbar sind«. AIPAC habe sich seit Langem für ein ungeteiltes Jerusalem als »historische, gegenwärtige und zukünftige Hauptstadt Israels« eingesetzt.

Meinungen Die jüdische Reformbewegung in den USA teilte dagegen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Jewish Telegraphic Agency (JTA) mit, die Ankündigung komme zu einem schlechten Zeitpunkt, sei aber »erwartbar« gewesen.

Malcolm Hoenlein, Präsident der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations, sagte laut dem Bericht, Trump habe eine richtige Entscheidung getroffen.

Die Anti-Defamation League wiederum nannte Trumps Ankündigung »wichtig und lange überfällig«, appellierte aber an alle Seiten im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, Spannungen zu reduzieren und kreative Bedingungen zu schaffen, damit eine Zwei-Staaten-Lösung möglich werde.

WJC Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat die US-Entscheidung zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels begrüßt. »Wir hoffen, dass dies ein Schritt in Richtung Frieden und Stabilität im Nahen Osten sein wird«, erklärte WJC-Präsident Ronald Lauder am Mittwoch (Ortszeit) in New York.

Trump habe einen wichtigen und mutigen Schritt getan. Jerusalem sei die unbestrittene Hauptstadt Israels, erklärte Lauder. Er hoffe, dass die USA mit ihrem Signal eine »starke Botschaft dieser Wahrheit an die internationale Gemeinschaft« senden.

Zentralrat Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte der Nachrichtenagentur KNA vor der Ankündigung Trumps am Mittwochabend, die jüdische Gemeinschaft weltweit würde es begrüßen, wenn Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt würde. Ob dies der richtige Zeitpunkt ist, sei aber »diskussionswürdig«.

Die Ankündigung der international nicht abgestimmten Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu diesem Zeitpunkt könne »Konsequenzen auslösen, die niemand haben möchte«. Gerade angesichts der Instabilität in der Region, beispielsweise in den israelischen Nachbarstaaten Syrien und Libanon, habe er Bedenken, so Schuster weiter.

Dem Bayerischen Rundfunk sagte Schuster am Mittwoch zum gleichen Thema: »Trump macht mit dieser Ankündigung nichts anderes, als die jahrzehntelange Praxis zu bestätigen.« Schließlich sei der israelische Regierungssitz und auch ein US-Konsulat bereits in Jerusalem, und auch ausländische Staatsgäste kämen auf Staatsbesuchen stets nach Jerusalem. Der Regierungssitz in Jerusalem sei durch diese Gespräche dort indirekt längst anerkannt, so der Zentralratspräsident.

Unterdessen rief die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) die Bundesregierung dazu auf, die Botschaft der Bundesrepublik von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Trotz des Konfliktpotenzials in der Region sei die Anerkennung der offensichtlichen Wirklichkeit – Jerusalem, Hauptstadt von Israel – unumgänglich, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung. Die JSUD betrachte es »als Teil der so oft zitierten deutschen Staatsräson«, Jerusalem endlich als offizielle Hauptstadt Israels anzuerkennen. ag/epd

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 12.07.2018

Ausgabe Nr. 28
vom 12.07.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Sommer
Berlin
18°C
wolkig
Frankfurt
20°C
wolkig
Tel Aviv
26°C
heiter
New York
26°C
heiter
Zitat der Woche
»Wir retteten die Juden in Babylon.
Sie haben eine Schuld uns gegenüber.«
Der iranische Präsident Hassan Rohani bei seinem Besuch Anfang Juli
in Wien über das babylonische Exil vor 2500 Jahren