WIZO-Basar

Kaufrausch im Obergeschoss

Spenden für das Theodor-Heuss-Familienzentrum in Herzliya

21.11.2017 – von Barbara GoldbergBarbara Goldberg

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Wahnsinn« – so könnte der Frankfurter WIZO-Basar in diesem Jahr überschrieben werden. »Es ist Wahnsinn, was ihr hier jedes Jahr auf die Beine stellt«, zeigte sich Harry Schnabel, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, in seiner Begrüßungsrede beeindruckt. »Wahnsinnig viel Arbeit« stecke hinter der Organisation dieses alljährlichen Ereignisses, verriet auch Rebekka, eine der Hauptverantwortlichen für den Secondhand-Modemarkt, der in jedem Jahr einen großen Anteil am Gesamtumsatz des Basars erwirtschaftet.

»Wahnsinn!«, staunten etliche Besucher, als sie im hell erleuchteten Festsaal die Stände mit Spielzeug, Büchern, Schmuck, Kosmetika, Getränken, Süßigkeiten und auf der Bühne die rund 2500 gestifteten Preise für die Tombola erblickten. Und »wahnsinnig« lecker und verführerisch duftete das Essen im Foyer: Falafel, Hummus, Pitabrot, dazu gab es Kuchen, Torten und Gebäck.

Zur Eröffnung des Basars am Samstagabend waren viele Gäste ins Gemeindezentrum im Frankfurter Westend gekommen. »Ei, Herr Bürgermeister, Sie auch schon wieder hier!« Sichtlich amüsiert zitierte Oberbürgermeister Peter Feldmann diesen Ausspruch, mit dem er am Eingang von einem Gemeindemitglied begrüßt worden war. Er hatte es sich mitten im Wahlkampf – Feldmann stellt sich im kommenden Februar zur Wiederwahl für eine zweite Amtszeit – natürlich nicht nehmen lassen, dem WIZO-Basar einen Kurzbesuch abzustatten. Der SPD-Politiker erzählte in seiner Rede, wie er als Kind über Avocados und Zitrusfrüchte-Pyramiden gestaunt hatte – alles Dinge, die er zum ersten Mal in seinem Leben auf einem WIZO-Basar gesehen hatte.

Familientradition Mehrfach erinnerten die Organisatorinnen in diesem Jahr an das jahrzehntelange unermüdliche Engagement der WIZO-Frauen. 1960, also vor 57 Jahren, fand in Frankfurt der erste WIZO-Basar statt. Einige der Gründerinnen sind immer noch aktiv, denn für manche ist die Wohltätigkeit mittlerweile zu einer – mehrere Generationen umspannenden – Familientradition geworden.

So auch bei Linda Martin, die als Vorstandsmitglied der WIZO Frankfurt die Gäste begrüßte. »Seit mehr als 40 Jahren bin ich beim WIZO-Basar dabei«, sagte sie. »Als Vier-, Fünfjährige habe ich zwischen den Ständen Fangen gespielt, später dann mit Begeisterung Lose verkauft.« Martin freute sich darüber, dass auch »in Zeiten des bequemen Online-Shoppings« wieder so viele Besucher den Weg zum Basar gefunden hatten.

Auch bei Rebekka reichen die Erinnerungen bis in die frühe Kindheit zurück. »Klamotten und Bücher«, das war es, wofür sie sich in jedem Jahr am meisten auf dem Basar begeistern konnte. Die Faszination für Mode ist bei ihr kein Zufall. »Ich stamme aus einer Textil-Familie«, sagt sie.

Deshalb unterstützt sie ihre Mutter, Gisela Gerczikov, mit ganzer Kraft bei den Vorbereitungen zum Secondhand-Modemarkt, einem der Garanten für den alljährlichen Erfolg des Basars. Auch Vanessa, die seit zwei Jahren in Zürich lebt und arbeitet, war extra übers Wochenende nach Hause gekommen, um an diesen zwei Tagen mitzuhelfen. Kein Wunder, dieses Engagement hat sie von ihrer Mutter abgeschaut, die unermüdlich und in jedem Jahr von Neuem zur großen Gruppe der ehrenamtlichen Helferinnen zählt.

100 Prozent Der enorme Erfolg der WIZO besteht vor allem darin, dass fast 100 Prozent der Einnahmen aus den Wohltätigkeitsveranstaltungen auch tatsächlich in Israel ankommen, genau dort, wo die WIZO mit dem Geld bei dringenden Problemen helfen möchte. Im Fall des Frankfurter WIZO-Basars ist es das Theodor-Heuss-Familientherapiezentrum in Herzliya, das den Erlös erhält.

Um in jedem Jahr wieder spenden zu können, haben sich die WIZO-Frauen perfekt organisiert. Denn der »Wahnsinn« ihres Erfolgs hat durchaus Methode. Am Anfang steht die enorme Großzügigkeit der Spender: Spielzeug, Bücher, Mode, darunter auch jede Menge High Fashion, werden in jedem Jahr im Überfluss bei der WIZO abgegeben.

»Wir bekommen Sachen aus dem Taunus und dem ganzen Rhein-Main-Gebiet geschenkt«, berichtet Rebekka. »Auch aus München traf neulich eine Kiste voller Kleider bei uns ein.« Alles wird in den Kellerräumen in der Nähe des Gemeindezentrums gelagert – mietfrei, weil auch der Eigentümer das Engagement der WIZO unterstützen möchte.

Vorbereitung Etwa drei Monate vor dem Basar fängt die eigentliche Arbeit an. Dann greift Gisela Gerczikov zum Telefon, um Mitarbeiterinnen für die Veranstaltung zu gewinnen. »Wir treffen uns dann jeden Sonntag dort, um die Kleiderspenden zu sichten, zu sortieren und auf Bügel zu hängen«, erzählt Rebekka. Unter den Helferinnen befinden sich einige Expertinnen, die Qualität und Wert der Handtaschen, Kaschmir-Pullis, Designer-Kleider oder Edel-Sonnenbrillen bewerten können.

In der Woche vor dem Basar »wird dann in einem Gewaltakt alles verpackt und auf Kleiderstangen und in Transportkisten ins Gemeindezentrum geschafft«, berichtet Rebekka. Sie selbst nimmt in dieser Zeit immer Urlaub, um sich voll und ganz ihrem Ehrenamt als »Chefin der Modeabteilung« des Basars widmen zu können. Was in Frankfurt nicht verkauft werden konnte, wandert anschließend weiter – zum WIZO-Basar nach Darmstadt und zur Jüdischen Gemeinde in Prag.

Kaufrausch im Obergeschoss, Chillen in Parterre – diese Arbeitsteilung funktionierte auch in diesem Jahr wieder perfekt, vor allem weil die Young WIZO in einer schummerig ausgeleuchteten Ecke im Erdgeschoss eine Cocktailbar eingerichtet hatte. Gleich am Eingang und für alle sichtbar hatte DJ Lev sein Pult aufgebaut. Er war extra aus Berlin angereist, um die Besucher mit lässigem Sound und israelischem Pop bei (Kauf)laune zu halten.

Kultur stand außerdem auf dem Programm des Basars. So las Bärbel Schäfer am Samstagabend aus ihrem neuen Buch Meine Nachmittage mit Eva. Der Starkoch Mirko Reh nahm dann am Sonntag sein Publikum mit auf eine »kulinarische Reise« nach Israel. Und die Young WIZO verloste Eintrittskarten für das nächste »Tote Hosen«-Konzert.

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