Berlin

Judenhass im Klassenzimmer

Eine Tagung ging der Frage nach, wie man mit Antisemitismus in der Schule umgehen soll

Aktualisiert am 26.10.2017, 11:54 – von Jérôme LombardJérôme Lombard

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Antisemitische Vorfälle sind an deutschen Schulen keine Seltenheit. Doch was können Lehrer gegen die Feindseligkeiten tun? Vor welchen Herausforderungen stehen die Pädagogen in Bezug auf Antisemitismus im Klassenzimmer, und welche Konzepte der Intervention sind sinnvoll? Diese Fragen standen im Zentrum eines zweitätigen Fachsymposiums, das am Dienstag und Mittwoch in Berlin unter dem Titel »Antisemitismus an der Schule – ein beständiges Problem?« stattfand.

Organisiert wurde die Tagung vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). »Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Gerade in der Institution Schule scheint die antisemitische Diskriminierung aber zu kulminieren«, sagte Heiko Geue vom Bundesfamilienministerium in seiner Begrüßungsansprache.

Nur ein kleiner Teil der antisemitischen Übergriffe im schulischen Raum werde überhaupt öffentlich bekannt. Da viele Vorfälle von den Schulen nicht gemeldet werden, müsse man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, betonte Geue.

Beispiel Ein Fall, der im Sommer bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, war der eines jüdischen Schülers in Berlin-Friedenau. Der 14-Jährige wurde von muslimischen Mitschülern über Monate hinweg antisemitisch beleidigt und geschlagen, bis er schließlich die Schule verließ.

Gemma Michalski, die Mutter des Jungen, war zu der Tagung gekommen, um über ihre Erfahrungen zu berichten. »Mein Sohn war wie Freiwild. Mich hat dieser tief sitzende Hass überrascht«, sagte Michalski. Besonders erschreckt habe sie, dass die Schulleitung das Problem überhaupt nicht ernst genommen habe.

Die Verharmlosung antisemitischer Diskriminierung seitens der Lehrer sei viel zu oft ein Problem, kritisierte Marina Chernivsky, Leiterin des ZWST-Kompetenzzentrums. Oftmals sei den Lehrern gar nicht bewusst, in welchen Ausdrucksformen sich Antisemitismus gegenwärtig zeigen könne. »Die Perspektive der betroffenen Schüler und Eltern fehlt meistens. Viel zu häufig wird Antisemitismus ohne Juden verhandelt«, sagte Chernivsky.

Diskriminierung Präventionsstrategien gegen Antisemitismus an der Schule müssten zuallererst an der Ausbildung der Lehrer ansetzen, forderte Saraya Gomis, Antidiskriminierungsbeauftragte des Berliner Bildungssenats. »Angehende Lehrer müssen im Umgang mit multikulturellen Klassen geschult werden, um konsequent gegen Diskriminierungen vorgehen zu können«, sagte Gomis.

Über Interventionsstrategien und pädagogische Handlungsoptionen diskutierten am Mittwoch der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Daniel Botmann, Andrés Nader, Rechtsanwalt in Berlin, Dervis Hizarci von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus und Marina Chernivsky. Die Moderation hatte Christiane Friedrich von »Perspektivwechsel Plus« der ZWST übernommen.

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