Wieso, weshalb, warum

Weiss

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

30.06.2016 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Wenn wir im Zusammenhang mit dem Schabbat an die Farbe Weiß denken, stellen wir uns als Erstes wahrscheinlich den weiß gedeckten, festlichen Tisch zu Ehren des Feiertags vor. Weiß symbolisiert im Judentum sowohl Reinheit als auch Heiligkeit – daher dominiert es auch bei Brautpaaren an ihrem Hochzeitstag. Das Weiß versinnbildlicht die Einheit von Braut und Bräutigam sowie den Beginn eines neuen, gemeinsamen Lebens: »Lasse deine Kleider immer weiß sein« (Kohelet 9,8).

In chassidischen Gemeinden trug der Bräutigam ursprünglich am Hochzeitstag einen Kittel, ein weißes gewandartiges Kleidungsstück ohne Taschen. Das sollte zeigen: Der Bräutigam besitzt nichts von Wert – das Paar heiratet aus Liebe und nicht wegen irdischer Besitztümer. Auch aus diesem Grund trägt die Braut unter der Chuppa keinen Schmuck.

Braut Unsere Weisen betrachten den Hochzeitstag als einen persönlichen Jom Kippur. Braut und Bräutigam tragen Weiß, um zu signalisieren, dass ihre Sünden, ganz so wie an Jom Kippur, vergeben werden.

In Anbetracht der Ähnlichkeit mit den weißen Leichentüchern erklären einige unserer Weisen: Das Brautpaar trägt Weiß als ein gutes Omen – als Symbol, dass es bis zum Tod zusammen bleiben wird, und man selbst am glücklichsten Tag auch an das Ende denkt. Der weiße Kittel wird an besonderen Tagen und zu bestimmten Ereignissen und Feiertagen im Lebenszyklus getragen und ist gleichzeitig eine Todestracht.

Kittel ist das jiddische Wort für Robe oder Mantel. Vielerorts ist es am Versöhnungstag üblich, dass die Männer diesen weißen Kittel während des G’ttesdienstes tragen. Dieser Brauch basiert auf einem Vers im Buch des Propheten Jesaja: »Wenn eure Sünden rot wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiß werden« (1,18).

Kittel Das Tragen des Kittels, des »letzten Hemdes«, auch »Sargenes« genannt, weist darauf hin, dass die Beter an diesen Tagen vielleicht noch demutsvoller als sonst den Tod vor Augen haben. Diese »Todestracht« mit der weißen »Heubl« (Haube), ergänzt durch den Tallit (Gebetsschal), lässt die Beter uniformiert erscheinen. Ein jeder sieht aus wie der Beter neben ihm, der angesichts der Inhalte und Überlieferungen dieses Tages die gleichen Gedanken hegt, vor der gleichen Alternative steht – und sich gleichermaßen seine Umkehr erarbeiten will.

Der bekannte orthodoxe Rabbiner und Dajan Jonathan Steif (1877–1958) aus Budapest meinte zu wissen, warum manche Männer auch am Sederabend den weißen Kittel tragen. Weiß war die Farbe der Priesterkleidung im antiken Jerusalem. Am Sederabend werden wir sinnbildlich erhöht und erhalten den Status eines Kohen, eines Priesters.

Tallit Der Tallit ist ein weißes Tuch mit blauen oder schwarzen Streifen. Weiß steht für Reinheit von der Sünde, die Farbe Blau bildete einen wesentlichen Bestandteil des Tempels in Jerusalem.

In der Estherrolle, die wir an Purim lesen, heißt es: »Mordechai aber ging vom König hinaus in königlichen Kleidern, blau und weiß, und mit einer großen goldenen Krone (…), und die Stadt Susan jauchzte und war fröhlich« (8,15).

Weiß und Blau kommen auch in der Flagge des Staates Israel zur Geltung. Sie erinnert an einen Tallit mit dem Magen David, dem Schild Davids, in der Mitte.

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