Musik

»Auf den inneren Klang hören«

Idan Raichel über sein aktuelles Album, seine Texte und ein neues musikalisches Jahr

Aktualisiert am 18.01.2016, 13:02 – von Katrin RichterKatrin Richter

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Herr Raichel, am 22. Januar erscheint Ihr neues Album »Ha Jad Ha Chama«. Was verbirgt sich hinter dem Titel?
Die Übersetzung ist etwas kompliziert. Sie entspricht in etwa einer warmen Berührung durch eine Hand oder Zuneigung. Diese Berührungen zeigen einem, dass man nicht länger allein ist. Vor diesem Album hatte ich das Gefühl, dass ich allein bin, auch wenn ich es nicht war. Trotzdem war es, als käme ich immer zurück in ein leeres Haus. Aber seitdem meine Tochter auf der Welt ist, ist das alles anders. Und genau diese Berührungen durch eine Hand haben mich zu diesem Album inspiriert.

Ihre Songs wirken wärmer, erwachsener als sonst. Was ist passiert?
Sie sind in meinen eigenen vier Wänden entstanden – mit meiner Familie. Ich fühlte mich viel selbstsicherer und auch gesicherter. Das war das erste Mal, dass es keine Eile gab, auf der ganzen Welt nach Sängern und Klängen zu suchen. Ich wollte die innere Stimme und den inneren Klang erforschen. Der Sound ist reifer, gesetzter und von größerer innerer Stärke.

Wie entstehen die Texte?

Ich habe eigentlich keine festen Zeiten, zu denen ich meine Texte schreibe. Alles begann mit der Geburt meiner ersten Tochter: Ich fühlte, dass dies ein guter Zeitpunkt zum Schreiben sei.

2015 war ein Jahr großer Konflikte. 2016 begann mit einem Attentat in Tel Aviv. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen, und wir haben uns alle irgendwie daran gewöhnt. Es macht uns keine Angst mehr. Natürlich ist es immer tragisch, von traurigen Ereignissen zu erfahren, aber die halten uns nicht auf. Wir lassen uns nicht ängstigen.

Vor einem Ihrer Konzerte in New York haben BDS-Anhänger (Boycott, Divestment and Sanctions) demonstriert. Was antworten Sie denen, die Künstler boykottieren?
Die BDS-Anhänger, die versuchen, Israel und israelische Kunst zu boykottieren, wählen den falschen Weg. Künstler sollten sich niemals, niemals einschüchtern lassen. Kreative aus allen Sparten sollten helfen, Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen zu bauen. Auch wenn man mit irgendetwas nicht einverstanden ist: Künstlerstimmen dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden. Und außerdem glaube ich generell nicht an Boykotte. Man sollte Frieden mit seinem Nachbarn schließen, denn wenn man ihn ignoriert, wie kann man einen Dialog schaffen?

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr?
Ich möchte ein besserer Vater, ein besserer Partner, ein besserer Mensch sein. Und ich wünsche mir, dass mein neues Album viele Herzen und Menschen erreichen wird, dass es sie tröstet und nachdenklich macht.

Die Fragen an den Musiker stellte Katrin Richter.

www.idanraichelproject.com

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 14.06.2018

Ausgabe Nr. 24
vom 14.06.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Sommer
Berlin
29°C
wolkig
Frankfurt
30°C
wolkig
Tel Aviv
27°C
heiter
New York
24°C
wolkig
Zitat der Woche
»Gut ist: Sie folgen uns auf Twitter und reagieren dort.
Schlecht ist: Sie beleidigen uns ohne Grund.«
Emmanuel Nahshon, Sprecher des israelischen Außenamtes, antwortet auf Twitter dem nordkoreanischen Außenminister Ri Yong-ho, der Benjamin Netanjahu einen »stinkenden Zionisten« genannt hatte.