Berlin

»Garantin der Freiheit«

Angela Merkel erhielt den Abraham-Geiger-Preis für ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft

Aktualisiert am 03.12.2015, 11:58 – von Philipp Peyman EngelPhilipp Peyman Engel

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Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für ihre Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland am Mittwoch in Berlin mit dem Abraham-Geiger-Preis geehrt worden. Damit würdigte das Geiger-Kolleg das Engagement Merkels für eine pluralistische Gesellschaft und ihre klare Absage an Judenhass, Rassismus und Diskriminierung.

»Angela Merkel steht mit ihrem politischen Wirken über viele Jahre dafür ein, dass demokratische Grundwerte in unserer Gesellschaft und europaweit Schutz erfahren«, sagte Rabbiner Walter Jacob vom Geiger-Kolleg bei der Verleihung der Auszeichnung. »In Zeiten des zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und Europa ist ihre unverbrüchliche Solidarität Rückgrat des Vertrauens für die jüdische Gemeinschaft.«

Vertrauen Das politische Wirken Merkels sei umso wichtiger, so der Gründungsdirektor des Geiger-Kollegs weiter, da der Antisemitismus in Deutschland und Europa zunehmend stärker werde. Es seien Politiker wie die Bundeskanzlerin, die das Vertrauen von Juden in die Bundesrepublik weiter stärken. »Frau Bundeskanzlerin, Sie sind eine Garantin der Freiheit der Religionen in der modernen Gesellschaft«, betonte Rabbiner Jacob.

Die Preisträgerin hob in ihrer Dankesrede hervor, dass es ihr ein besonderes Anliegen sei, die Ehrung im Empfang zu nehmen. »Die heutige Veranstaltung führt uns einmal mehr vor Augen, welch großes Geschenk es ist, dass es wieder ein vielfältiges und reiches jüdisches Leben in Deutschland gibt.« Es sei alles andere als selbstverständlich, dass Juden in Deutschland heute wieder eine Heimat gefunden haben und in diesem Land ihre Zukunft sehen, erklärte Merkel.

In ihrer Dankesrede ging Merkel auch auf die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation ein. Sie nehme die Bedenken von Juden in Deutschland sehr ernst, da viele Flüchtlinge aus Ländern kämen, in denen der Hass auf Juden und den jüdischen Staat zum Alltag gehöre. Deswegen müssten »antisemitische Straftaten konsequent mit allen Rechtsmitteln verfolgt werden«.

Grundordnung Jeder Schutzsuchende, der nach Deutschland komme, müsse das Grundgesetz respektieren, unterstrich Merkel. Dazu gehöre eine klare Absage an religiöse Diskriminierung sowie eine deutliche Zurückweisung jeglichen Antisemitismus. Das friedliche Zusammenleben der Religionen bleibe »ein einzigartiger Vertrauensbeweis in die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes, wie sie in unserem Grundgesetz niedergelegt ist«.

Zuvor hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in seinem Grußwort das Eintreten der Bundeskanzlerin für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und den Staat Israel hervorgehoben. »Dies ist für Sie keine lästige Pflichtübung. Nein, es kommt von Herzen und entspricht Ihrer Überzeugung«, sagte Schuster. »Ihre Treue und Aufrichtigkeit, mit der Sie an unserer Seite stehen, ist für uns gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je.«

Sowohl in der Beschneidungsdebatte als auch während der judenfeindlichen Demonstrationen während des Gaza-Kriegs im Sommer 2014 sowie auch nach den islamistischen Anschlägen in Paris Anfang des Jahres hätten Juden in Deutschland sich stets auf die Bundeskanzlerin verlassen können. An Angela Merkel gewandt sagte er: »Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland kann ich nur bestätigen: Sie haben diesen Preis mehr als verdient!«

Flüchtlinge Der Zentralratspräsident würdigte zudem die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Viel sei in den vergangenen Tagen in den Medien darüber geschrieben worden, dass seine Warnung vor einer Zunahme des Judenhasses infolge des Flüchtlingsstromes eine fundamentale Kritik an Merkel bedeute. »Das ist Unsinn!«, sagte Schuster. »Auch hier hat die Bundeskanzlerin jederzeit ein offenes Ohr für die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft gezeigt, die einen möglichen Antisemitismus unter den Flüchtlingen fürchtet.«

Der Abraham-Geiger-Preis wurde im Jahr 2000 anlässlich der Eröffnung des Abraham Geiger Kollegs ins Leben gerufen und würdigt Verdienste um das Judentum. Er ehrt Menschen, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben. Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam ist die erste akademische Ausbildungsstätte für Rabbiner und Kantoren in Deutschland seit der Schoa. Mit Abraham Geiger (1810–1874) ist es nach einem der bedeutendsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland benannt. Gegründet wurde das Kolleg von den Rabbinern Walter Jacob und Walter Homolka.

Den Betrag der mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung spendet Angela Merkel dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) für dessen Programm Dialogperspektiven. »Die großzügige Spende ist eine Bestätigung unserer Arbeit«, sagte Johannes CS Frank der Jüdischen Allgemeinen. Insbesondere in Zeiten der kontrovers geführten Flüchtlingsdebatte sei das Gespräch zwischen den Religionen wichtiger denn je, betonte der ELES-Geschäftsführer.

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