Glossar

Melawe Malka

Kurz vor Jom Kippur sollte anständig gegessen werden – also nicht nur eine Olive. Foto: Thinkstock

Wenn ein Gast besonders nett oder beliebt ist, möchte man nicht, dass er schnell wieder geht. Im Gegenteil. Man hätte es gern, wenn er ein wenig länger bliebe. Ähnlich verhält es sich mit der »Königin Schabbat«. Wir haben sie am Freitagabend als Braut begrüßen dürfen, am Schabbatausgang verabschieden wir sie mit »Melawe Malka«, dem »Begleiten der Königin«.

Dies ist ein Brauch, der sich nicht überall durchgesetzt hat. So gibt es in den meisten Siddurim mit deutscher Übersetzung keinerlei Texte für diesen Anlass. In Rabbiner Josef Karos (1488–1575) Schulchan Aruch wird der Brauch eher indirekt erwähnt. Allerdings ist die Beschreibung sehr kurz: »Man sollte am Schabbatausgang seinen Tisch stets decken, um den Schabbat zu begleiten, auch wenn man nur etwas von der Größe einer Olive isst« (Orach Chajim 300). Ein Kommentar dazu von Rabbiner Jisrael Meir Kagan (1838–1933), die Mischna Berura, verlangt darüber hinaus, den Tisch so herzurichten, wie man es für alle Mahlzeiten tut. Daraus wurde der Brauch, eine ganze Mahlzeit einzunehmen.

olive Dennoch zählt dieses Essen, vielleicht verwirrenderweise, nicht zu den drei vorgeschriebenen Mahlzeiten am Schabbat. Sie ist vielmehr eine vierte nach Schabbatausgang. Begründet wird dies mit einer Aussage von Rabbi Eleazar im Talmud (Schabbat 119b): »Man soll stets seinen Tisch bei Schabbatausgang decken«, und auch hier wird auf die Mahlzeit von der Größe einer Olive gesprochen.

Mehr jedoch ist über die Ausschmückung dieser Mahlzeit nicht bekannt. Es liegt also die Interpretation nahe, dass man versucht, die Stimmung des Schabbats in die neue Woche hinüberzutragen. Ob Rabbi Eleazar dies tatsächlich beabsichtigte, überliefert der Talmud leider nicht. Weil diese Mahlzeit sich direkt an die Hawdala, die Zeremonie des Schabbatausgangs, anschließt, wird »Melawe Schabbat« manchmal auch »Seudat David Ha Melech« genannt – König Davids Mahlzeit.

festmahl Diese Bezeichnung ist allerdings erst recht spät bezeugt. Rabbiner Abraham Jitzchak Sperling berichtet in seinem 1896 erschienenen Werk Sefer Ta’amej haMinhagim (Begründungen der Minhagim), dass der Name sich (natürlich) auf König David bezieht. Dieser wusste, so der Talmud (Schabbat 30a), dass er an einem Schabbat sterben würde. G’tt selbst hatte es ihm offenbart. Doch David wusste nicht, an welchem Schabbat. Und so hielt er, laut Rabbi Sperling, nach jedem Schabbatausgang ein kleines Festmahl ab. Es liegt wohl auf der Hand, dass König David die Hawdala besonders schätzte.

Vor allem in den großen Gemeinden scheint die allgemeine Akzeptanz der »Melawe Malka« und ihre Aufmerksamkeit insbesondere deshalb zu steigen, weil man sie ganz gut für größere Treffen oder Versammlungen nutzen kann.
In den Vereinigten Staaten treffen sich in vielen Gemeinden Gruppen zu »Melawe Malka«, weil man nicht mehr den Schabbatgeboten unterworfen ist, aber noch ein wenig vom »Schabbatgefühl« übrig hat. Es ist also erlaubt, mit dem Auto anzureisen oder elektrische Geräte zu verwenden. Der Brauch entwickelt sich weiter.