Wieso Weshalb Warum

Mesusa

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

19.04.2012 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Viele jüdische Wohnungen oder Einrichtungen kann man an einer Mesusa erkennen. Sie ist, leicht zum Rauminneren geneigt, am Rahmen der Eingangstür befestigt. Im Idealfall findet man sie an jeder weiteren Tür zu einem tatsächlichen Wohnraum.

Interpretation Der Winkel, in dem die Mesusa im Türrahmen befestigt wird, ahmt die Bewegung des Menschen beim Eintritt in das Haus nach. Das würde uns etwas darüber sagen, dass der (jüdische) Mensch stets im Aufbruch ist. Überhaupt sei das »Auf-dem-Weg-sein« eine interessante Lehre im Judentum. Das ist eine mögliche und schöne Interpretation für die spezielle Art und Weise, in der aschkenasische Juden die Mesusa an ihren Türrahmen befestigen. Darüber lässt sich gut philosophieren.

Für eine andere Art der Befestigung gilt diese Interpretation nicht. Denn es gibt auch andere Arten, die Mesusa zu befestigen. Dazu lohnt sich ein Blick in die Geschichte.

Hintergründe Ihren Ursprung hat die Mesusa in der Mizwa »Schreib diese Worte an die Pfosten deines Hauses« (5. Buch Moses 6,9). Im Talmud (Menachot 33a) streiten sich die Rabbinen über die korrekte Befestigung der Mesusa und verschiedene denkbare Positionen. Ein genauerer Blick auf die Hintergründe, die zu den später formulierten Vorschriften führten, mag denjenigen überraschen, für den die geneigte Befestigung die einzig denkbare ist.

So erklärt Josef Karo (1488–1575) im Schulchan Aruch (Joreh Deah 289,6), dass die Mesusa vertikal angebracht werden soll, parallel zum Türpfosten. Diese Ansicht geht auf Raschi (1040–1105) zurück. Der erklärt in seinem Kommentar zu Menachot 33a, dass Mesusot auf ebendiese Weise befestigt werden müssen. Raschis Schwiegersohn jedoch war da vollkommen anderer Meinung. Jaakow ben Meir Tam, genannt Rabejnu Tam (1100–1171), erklärt in den Tosafot zur gleichen Talmudstelle, die Mesusa sollte horizontal befestigt werden. Die vertikale Befestigung sei nicht gültig.

Ansichten Rabbiner Mosche Isserles (1520–1572) vereint in seinem Kommentar zum Schulchan Aruch beide Ansichten: Man solle die Mesusa doch einfach schräg anbringen – ein ungewöhnlicher Kompromiss, der die horizontale mit der vertikalen Lösung versöhnt. Dieses Ergebnis hat sich bis heute in aschkenasischen Haushalten durchgesetzt.

Wer zu wenig Platz hat, die Mesusa schräg anzubringen, darf sie auch vertikal befestigen. Im sefardischen Judentum hat man sich dagegen weitgehend für die vertikale Lösung entschieden. Die vollständig horizontale Befestigung scheint sich hingegen nirgendwo durchgesetzt zu haben.

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