Köln

Singen auf Stufen

Mit Kunst und Chorgemusik begeht der JNF-KKL seinen 110. Geburtstag

19.05.2011 – von Constanze BaumgartConstanze Baumgart

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Ma’alot (Stufen) heißt das Kunstwerk auf Kölns prominentem Heinrich-Böll-Platz zwischen Dom, Rhein und Museum Ludwig. Der Name inspirierte eine Geburtstagsfeier der besonderen Art: Zehn Chöre aus Israel und Köln zogen die Treppen vom Rhein hinauf zum Platz und intonierten dabei Psalmen aus den »Shirei ha Ma’alot«, den Stufen- oder Wallfahrtsliedern.

karavan Die beeindruckende musikalische Performance, die vor der Fassade des Museums seine Fortsetzung fand, war eine doppelte Geburtstagsfeier: In diesem Jahr feiert der Jüdische Nationalfonds Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) seinen 110. Geburtstag, das Werk des israelischen Künstlers Dani Karavan seinen 25.

Herzstück der vieldeutigen Installation ist ein schwarz-weißer gestufter Turm, der ebenso an einen Thron erinnert wie an einen Wachturm. Eine Eisenbahnschiene führt auf ihn zu und weist auf das rechtsrheinische Deutz, von dessen Bahnhof 1941 die Deportation der Kölner Juden begann. Die zum Ensemble gehörenden Akazien und Ahornbäume können als Verweise auf die biblische Geschichte gelesen werden.

zionismus An diesem Abend verweisen sie jedenfalls auch auf das zweite Geburtstagskind. Gegründet 1901 auf dem 5. Zionistenkongress in Basel, ist der Jüdische Nationalfonds eng mit Köln verbunden. Seine Entstehung war eine logische Konsequenz aus der zionistischen Idee: Der Fonds kaufte mit Spenden jüdischer Bürger in aller Welt im damals noch osmanisch beherrschten Palästina Land. Vier Jahre nach der Gründung wurde Max Isidor Bodenheimer Präsident des JNF, dessen Organisation er von 1905 bis 1914 von Köln aus aufbaute.

Der Rechtsanwalt war einer der führenden Köpfe des frühen Zionismus und ein enger Mitarbeiter von Theodor Herzl. Gemeinsam mit David Wolffsohn gründete er die Organisationen der Kölner und deutschen zionistischen Bewegung. Durch sein Engagement wurde Köln für einige Jahre zum Zentrum des deutschen Zionismus. Heute erinnert in der Kölner Richmodstraße, wo Bodenheimer seine Wohnung hatte – gleichzeitig Sitz des JNF –, eine in den Boden eingelassene Platte an den JNF-Präsidenten und Wegbereiter des Zionismus.

psalmen Eine Mitarbeiterin des JNF war es auch, die die Idee für die Veranstaltung hatte. Tal Kaizman konnte als Ideengeberin, Organisatorin und Choreografin der Performance mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein. Zahlreiche Zuschauer und Zuhörer waren gekommen – und hielten dem Kölner Mai-Nieselregen stand. Die Chöre und ein Bläserensemble – der Bogen spannte sich vom Schalom-Chor der Synagogengemeinde Köln über die israelischen Chöre FaMila und Kochav Ya’ir bis hin zum Mädchenchor am Kölner Dom – boten ganz unterschiedliche musikalische Versionen der Psalmen.

Ganz nebenbei machte die Chor-Performance noch auf ein schwelendes Problem aufmerksam: Karavans Installation ist in einem recht maroden Zustand und bedarf dringend der Sanierung. Professor Georg Quander sprach es in seinen Begrüßungsworten an und stellte Besserung in Aussicht: Nächste Woche, so der Kölner Kulturdezernent, wird Dani Karavan zu Gast in Köln sein, um gemeinsam mit der Stadt eine geeignete Sanierungsmöglichkeit für Ma’alot zu finden.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken
Jüdische Allgemeine ePaper
Die Wochenzeitung als ePaper
Cover der Jüdische Allgemeinen vom 15.11.2018

Ausgabe Nr. 46
vom 15.11.2018

Zum Angebot

Fotostrecken

70 Jahre Israel

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Am 5. Ijar 5708, dem 14. Mai 1948, wurde der jüdische Staat gegründet.

5. Ijar 5708/14. Mai 1948

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
4°C
wolkig
Frankfurt
8°C
heiter
Tel Aviv
25°C
wolkig
New York
5°C
wolkig
Zitat der Woche
»Mal sind es die Flüchtlinge, dann die
Islamisten, dann die Juden.«
Der Psychologe Klaus Weber in seinem Buch »Resonanzverhältnisse.
Zur Faschisierung Deutschlands« (Hamburg 2018)