Festival
Hier spielt die Musik
Das Jüdische Museum präsentiert »Intonations«
24.04.2012
© job
Elena Bashkirova trifft auf Arnold Schönberg, Emmanuel Pahud auf Franz Schubert und Guy Braunstein auf Maurice Ravel – wenn Musiker den Großen der Klassik begegnen, dann bei »Intonations«. Das Jerusalem Chamber Music Festival findet vom 24. bis 29. April im Jüdischen Museum Berlin statt.
Passend zum Schwerpunkt Klassik hat die Jüdische Allgemeine eine Sonderedition herausgebracht. Darin geht es neben den »Charts Juifs«, wie die Französin Sonia Wieder-Atherton ihre »jüdischen Gesänge« nennt, auch um klassische Stücke von Ernest Bloch oder Jean-Francois Zygel.
Außerdem gibt’s viel Jazz, aber auch Altherren-Heavy Metal, Jidden-Pop und sefardische Cello-Grenzgänge. Im Folgenden kann man sich die »Jüdischen Gesänge« dieser Beilage anhören. Viel Spaß dabei!
Das komplette Programm zu »Intonation« finden Sie unter www.jmberlin.de

Kolja Blacher
Sowjetische Avantgardisten aus Kindertagen
Der in Berlin lebende Geiger Kolja Blacher hat unserer Autorin Christine Schmitt verraten, warum er auf seinem neuen Album die sowjetischen Avantgardisten Prokofiev und Schnittke spielt. Erschienen ist das Album beim Berliner Label »Klassikwerkstatt«, wo noch ein paar weitere Einspielungen des Ausnahmegeigers zu finden sind.
Prokofiev Violin Sonata #1 In F Minor, Op. 80 - 2. Allegro Brusco. (0:30)
Kolja Blacher
Prokofiev 5 Melodies, Op. 35 Bis - 4. Allegretto Leggero E Scherzando (0:30)
Kolja Blacher
Kolja Blacher, Walter Küssner, Johannes Moser, Vassily Lobanov »Schnittke / Prokofiev«
(© 2012 phil.harmonie)

Liza Ferschtman
Dvorák und Gershwin mit Fingerspitzengefühl verknüpft
Dass die junge niederländische Geigerin Liza Ferschtman Fingerspitzengefühl besitzt, stellt sie mit ihrer jüngst erschienenen Aufnahme von Dvoráks Violinkonzert unter Beweis. Mit klarem, kraftvollem und sehr warmem Ton dominiert sie vom ersten Satz souverän über dem Netherlands Philharmonic Orchestra Amsterdam, geleitet von Mario Venzago. Ihre Interpretation ist ganz der romantischen Empfindung gewidmet, ohne dabei ins Süßliche oder allzu Dramatische abzudriften. Ferschtman scheint einfach ihrer Intuition zu folgen. Keine Stelle wirkt bei ihr gekünstelt. Dvorák wird unter Liza Ferschtmans Fingern zur Selbstverständlichkeit.
Allegro (0:30)
Liza Ferschtman
Finale Allegro giocoso, ma non troppo (0:30)
Liza Ferschtman
Anton Leopold Dvorák »Violin concerto in a minor op. 53«
(© Challenge Class / SunnyMoon Distribution)

Lou Reed & Metallica
Urgesteine des Rock machen gemeinsame Sache
Zweifelsohne ist das Gipfeltreffen von Metallica und Lou Reed in der gegenwärtigen Musiklandschaft ein Highlight. Diesem Aufeinandertreffen ist mit »Lulu« ein Meisterwerk entsprungen, das den Erwartungskonventionen zuwiderläuft. Nicht immer zur Freude der Anhänger von Trash-Metal oder distinguiert-düsterem Experimental-Rock.
Brandenburg Gate (0:30)
Lou Reed/Metallica
Iced Honey (0:30)
Lou Reed/Metallica
Lou Reed/Metallica »Lulu«
(© Mercury / Universal)

Sonia Wieder-Atherton
Jüdische Gesänge und intime Zwiesprache
Die französische Cellistin Sonia Wieder-Atherton wird auf ihrem Album »Chants Juifs« von der Pianistin Daria Hovora begleitet. Das Repertoire umspannt Ernest Bloch, Maurice Ravel und Jean-Francois Zygel. Die übrigen »jüdischen Gesänge« des Albums entstammen zwar dem jüdischen Standard-Repertoire, doch sie sind nicht minder außergewöhnlich: Bei »Kol Nidrei«, »Nigun«, »Psalm« und »Kaddish« gleicht das Spiel der Cellistin einer intimen Zwiesprache mit Gott.
Kol Nidre (0:30)
Sonia Wieder-Atherton
Question (0:30)
Sonia Wieder-Atherton
Sonia Wieder-Atherton »Chants Juifs«
(© Naive Classique / Indigo)

Orioxy
Das hinreißende Debüt der Schweizer Band
Feine improvisierte Töne – mit diesen Begriffen ist bestens die Musik beschrieben, die von der jungen Band Orioxy aus Genf zu hören ist: feine improvisierte Töne, gekennzeichnet durch empfindsames Ertasten von Tönen, die im Spannungsfeld von Stimme und Harfe aufscheinen, musikalisch eingebettet zwischen Nu-Jazz und Ausflügen in die bunte Zauberwelt der zeitgenössischen Musik: Electronic, Rock und Funk bis hin zur Kammermusik.
Saba Bobi (0:30)
Orioxy
Tell me Lies (0:30)
Orioxy
Orioxy »Tales«
(© Unit Records)

Lizzy Loeb
Die amerikanische Sängerin tritt aus Vaters Schatten
Auf ihrem Debüt »The One« vereint die in New York lebende 25-jährige Sängerin, Songwriterin und Gitarristin Lizzy Loeb verschiedenste Musikstile wie Folk, Jazz und Pop. Es gibt wohl kaum jemanden in der Jazz-Szene, der bei der Erwähnung der Namen Chuck Loeb und Carmen Cuesta nicht anerkennend nickt. Der US-amerikanische Jazz-Gitarrist und die in Madrid geborene Sängerin sind die Eltern von Lizzy Loeb. Doch aus deren Schatten ist die Musikerin nun herausgetreten.
Living at all (0:30)
Lizzy Loeb
The One (0:30)
Lizzy Loeb
Lizzy Loeb »The One«
(© Care Music / Edel)

Joe Fleisch
Der Electro-Yid auf dem Dancefloor
Geboren ist dieses Chamäleon in Frankfurt. Nun lebt und arbeitet Jossi Reich in Tel Aviv und mixt jiddische Gassenhauer mit Disco. Und wie es sich für ein Chamäleon gehört, hat Jossi Reich gleich ein paar verschiedene Namen. Unter Joe Fleisch, Electro-Yid, Jewish Monkeys oder Jewrhythmics gibt es von ihm jiddische Schtetlhauer im Glitzergewand zu hören.
Misrilou (0:30)
Joe Fleisch
Was kann je mach (0:30)
Joe Fleisch
Joe Fleisch »Oi Amerike«
(© 2011 Joe Fleisch)

Balkan Beat Box
Zu dritt geht die Sause weiter
Nachdem sie ihr letztes Album mit vielen Gastmusikern einspielten, haben sich Balkan Beat Box auf »Give« auf das Wesentliche konzentriert. Bollernde Beats, die sich bei Soca aus Trinidad und Ragamuffin aus Jamaika bedienen, lässt Produzent Tamir Muskat gleich im Dutzend vom Stapel. Saxofonist Ori Kaplan bläst dazu Trillerpfeifen und Trompeten oder was ihm sonst noch so in die Hand fällt, während der MC Tomer Yosef seine Sprechgesang-Reime ins Megafon schreit. So entfachen die drei Wahl-New Yorker ein musikalisches Feuerwerk und werfen dabei viel Konfetti in die Luft.
Money (0:30)
Balkan Beat Box
Porno Clown (0:30)
Balkan Beat Box
Balkan Beat Box »GIVE«
(© 2012 Crammed Discs)

Uri Caine
Der Piano-Boy aus Philadelphia
Der Welt ist Uri Caine als (Jazz-)Pianist bekannt, den man vor allem im Umkreis von John Zorn und seiner Radical Jewish Culture antrifft. In Kritiker-Kreisen dagegen schätzt man ihn eher für seine (Re-)Interpretationen klassischer Komponisten. Zwei aktuelle Produktionen zeigen, wie sehr sich Jazzer und klassisch spielender Pianist durchdringen, denn der Piano-Boy aus Philadelphia wirbelt zwischen allen Genres hin und her.
Tarshish (0:30)
Uri Caine
Interloper (0:30)
Uri Caine
Uri Caine »SIREN«
(© 2011 Winter & Winter GmbH)

Marc Copland/John Abercrombie
Alterweise Jazzintimitäten
Schon bei den ersten Tönen von »Speak to me« wird hörbar, dass sich die beiden Musiker in ihrer Spielweise in- und auswendig kennen, was nicht verwundert, schließlich gehörte John Abercrombie schon zu Marc Coplands Quartett bei seinem Debütalbum im Jahr 1988. Aber im Duo betonen die beiden nun andere Aspekte. Viele Stücke zeichnen sich durch einen außerordentlich lyrischen und nachdenklichen Ton aus, und viele der Stücke besitzen geradezu einen suchenden Charakter.
Left Behind (0:30)
Marc Copland
Speak to Me (0:30)
Marc Copland
Marc Copland »Speak to me«
(© 2011 Pirouet Records)
Die komplette Beilage könen Sie unter 030 - 27 58 33 - 0 oder hier nachbestellen.
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