26. Apr. 2014
21:37

Ein Land zum Leben

Israel ist ein Land zum Leben.
© Flash 90

Ich hatte gerade Besuch aus Deutschland. Ein Teil meiner Familie war für eine Woche angereist. Ein Ehepaar mittleren Alters, nichtjüdisch, interessiert und ohne Vorbehalte in Sachen Israel. Sie kennen das Land schon lange. Aus meinen Erzählungen, durch israelische Freunde und einen längeren Besuch vor ein paar Jahren.

Es war eine schöne Woche, wenn auch zu kurz. Doch die Tage in Israel reichen sowieso nie. Es gibt zu viel zu sehen, zu viel zu erleben. Und gerade deshalb verbrachte mein Besuch seine Zeit nicht mit dem üblichen Touristen-Rundreise-Programm: Tel Aviv – See Genezareth – Jerusalem – Totes Meer – und zurück.

Zwar machten sie ein, zwei Ausflüge, die meiste Zeit jedoch hielten sie sich in der Gegend um ihre Ferienwohnung auf. Im Zentrum von Tel Aviv gingen sie spazieren, einkaufen, essen, an den Strand und trafen sich mit Freunden und Familie. Es hatte ein bisschen was vom ganz normalen Leben in Israel. Und genau das war es offenbar, was ihnen so gut gefallen hat.

Am letzten Abend, als wir uns in einem Restaurant die Bäuche vollschlugen, meinten sie plötzlich übereinstimmend, dass sie, wenn sie alt sind, in Deutschland ihre sieben Sachen packen und herziehen würden. Ich dachte, ich hätte mich verhört. »Wie bitte – Ihr wollt hier leben?«, fragte ich ungläubig. Normalerweise bin ich an Kommentare wie »Tolles Land, aber der Konflikt, aber die Bomben, aber die ...«, gewöhnt.

Doch diese beiden nickten heftigst mit den Köpfen und beteuerten, genau das gemeint zu haben. »Israel ist ein Land zum Leben, das wissen wird jetzt«, sagten sie einhellig. Ich finde natürlich, sie haben völlig Recht. Trotz aller Abers ist es ein wundervolles kleines Fleckchen Erde, in dem man sich wie zuhause fühlen kann – ohne dass es je langweilig wird.

Es tat mir sehr leid, meinen Gästen sagen zu müssen, dass nicht alle Leute einwandern können, auch wenn sie es hier noch so sehr mögen. Und dennoch: Es war das schönste Kompliment, dass Israel bekommen kann.

04. Apr. 2014
13:46

Miese Medienberatung

Fototermin: Mazzebacken mit Netanjahu
© Flash 90

Ich würde ihn gern einmal kennenlernen, den miesesten Medienberater der Welt. Einfach nur, um zu sehen, wie er es schafft, jede noch so kleine Aufgabe ohne Ausnahme völlig zu verhauen. Vielleicht bin ich aber auch ungerecht, und der arme Mensch hat einfach einen Job, der zum Scheitern verurteilt ist. Denn was Israels Premierminister Benjamin Netanjahu auch anfasst, um sein Image aufzupolieren, es geht fast immer in die Hose.

Oder in die Mülltonne. Wie gerade geschehen. Einige Tage vor dem Beginn der Festwoche besuchte er das ultraorthodoxe Kfar Chabad und erklärte breit grinsend, wie sehr er sich freue, einmal selbst Mazze backen zu dürfen. »Zu Hause esse ich sie schon seit Jahren, doch heute bereite ich sie zum ersten Mal selbst zu. Ich bin sehr aufgeregt.« Sprach’s, nahm sich den Teigroller und legte los. Dann wünschte der Premier »dem gesamten jüdischen Volk ein frohes Pessach«.

Eigentlich ein fescher Fototermin mit kleiner Zeile unterm Bild. Doch es wäre nicht Netanjahu, wenn nicht jeder noch so harmlos scheinende Auftritt nach hinten losgeht. Und so tobte im Anschluss an den Besuch ein Sturm durchs Internet. Zeitungen machten damit auf, dass das vom Regierungschef Gebackene in den Abfall gewandert ist. Und es wäre nicht Israel, wenn nicht jede noch so kleine Lächerlichkeit Politikum wird.

»Die Rache der Mazzenbäcker ist grausam«, hieß es. Die wütenden Ultraorthodoxen wollten Netanjahu damit so richtig eins auswischen. Denn schließlich hatte er durchgehen lassen, dass ihre frommen Söhne in die Armee müssen. Der Chabad-Sprecher dementierte zwar hastig und sagte, »Netanjahus Mazzen geht es gut. Doch da war schon wieder einmal nichts mehr gut. Und auch nicht mehr gut zu machen.

Wo bitte war sein PR-Mann bei diesem Termin? Würde ich an Netanjahus Seite stehen und ihn beraten, ich hätte die Regierungs-Mazzen feierlich einpacken lassen und höchstpersönlich armen Kinderlein auf den Sedertisch gelegt. Zur Not wäre ich auch in die Mülltonne reingeklettert. Vor laufender Kamera hätte ich in die Mazzen reingebissen und mit vollem Mund erklärt, wie wundervoll unser aller Chef backen kann.

Oder das Desaster mit seiner Frau. Dass Sara keine Modelfigur hat, ist nicht weiter schlimm. Dass sie ein durchsichtiges Spitzenkleid zur Amtseinführung ihres Mannes anzieht, aber schon. Doch genau für solche Fälle gibt es professionelle Hilfe. Ich hätte Sara einen ganz wundervollen Strauß Blumen in den Schoß gelegt, hinter dem nicht eine Speckrolle hätte durchblitzen können. Doch da war niemand. Nur Sara, jede Menge Bauchspeck und der Shitstorm im Anschluss.

Außerdem ist unsere First Lady ständig in den Medien. Doch nicht so, wie sie es sein sollte. Sie beherrscht die Schlagzeilen, weil sie angeblich Angestellte beschimpft, beleidigt und zu Dutzenden vergrault. Mitten in der Nacht soll sie Milchkartons verlangen und Sprösslinge von Angestellten bei fröhlichen Feiern vom Grundstück werfen lassen. Hallo! Ist da jemand? Wo sind die Armeen von Typ-, Image- und sonstigen Mach-es-besser-Beratern. Ich dachte immer, Top-Politiker hätten so etwas. Frau Netanjahu muss sofort in die Presse. Aber auf andere Art. Am besten mit einer ganzen Schar von Kindern ihrer Mitarbeiter im Arm, denen sie höchstpersönlich Milchkartons auf Lebenszeit spendiert.

Ich denke wirklich, ich sollte mich bewerben.

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