31. Okt. 2014
15:45

Es geht um mehr als Milky

Milky: Symbol für ein tiefgehendes Problem
© Sabine Brandes

Ich komme gerade aus dem Supermarkt, habe noch schnell vor dem Schabbat fürs Wochenende eingekauft. Am Milchregal gab es heute einen Stand, an dem man Joghurts von Müller probieren konnte. Sie haben eine neue Sorte mit Maracuja und Ananas im Programm, die glatt als suchtgefährdend eingestuft werden könnte, so göttlich schmeckt sie.

Und da Rauschgift ja bekanntlich nicht für ‘nen Appel und ‘n Ei zu haben ist, wunderte es mich wenig, dass 5,30 Schekel auf dem Preisschild stand. Einen Euro und elf Cent. Weil ich mir den Joghurt natürlich nicht allein schmecken lassen kann, wanderte die Familienpackung in den Einkaufswagen. Summa Sumarum 6,66 Euro für Joghurt.

Mancher mag jetzt vielleicht sagen, dass genug über Hüttenkäse und Schokopudding diskutiert wurde. Dass er das Genöle über die hohen Preise satt hat, nicht mehr hören kann, wie teuer die Lebensmittel in Israel sind. Doch ich nehme das in Kauf. Denn gerade, als ich die Joghrts im Kofferraum verstaut hatte, lief im Radio ein Programm zur Armut in Israel.

Eine neue Studie zeigt, dass Israel in der entwickelten Welt bei Kinderarmut an vierter Stelle steht. Nur in Griechenland, Litauen und Spanien sind die Jüngsten ärmer dran. Seit 2008 ist die Armut hierzulande von 35,1 auf 35,6 Prozent gestiegen. Schokierende Zahlen, wie ich finde. Dabei müsste es nicht so sein. Die Wirtschaft in Israel ist im Vergleich zu diesen Ländern stark, die Arbeitslosigkeit gering.

Obwohl sie einen regelmäßigen Job haben, verdienen viele Menschen hier im Land nicht genug, um sich und ihre Familie vernünftig zu ernähren. Jedes Dritte Kind hat schon einmal Hunger erlebt, geht desöfteren mit knurrendem Magen schlafen oder ohne Essen in die Schule.

Die Leiterin der Abteilung für soziale Gerechtigkeit bei der Organisation Rabbiner für Menschenrechte (RHR) in Israel, Rabbi Idit Lev, meint dazu: „Der neue Bericht ist eine Erinnerung, wie schlimm die Lage wirklich ist. Wenn das Problem weiterhin ignoriert wird, explodiert die Situation bald.“

Damit das nicht falsch verstanden wird: Israel ist mir jeden Müller-Joghurt wert, jeden überteuerten Milky und jeden Hüttenkäse sowieso. Ich würde Tel Aviv immer Berlin vorziehen. Doch es geht um mehr als einen Schokopudding, es geht um ein schwerwiegendes soziales Problem.

Jene, die sagen, es seien immer dieselben, die meckern, oder lediglich "Beklagen auf hohem Niveau", müssen keine Familie in Israel mit einem Normalgehalt ernähren. Doch genau dies muss gewährleistet sein. Und das kann man gar nicht oft genug sagen.

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