16. Jan. 2015
14:40

Ich bin ...

Auch israelische Schüler sind Charlie.
© Sabine Brandes

Ich google meinen Namen nicht. Ich weiß sowieso, dass ich als Journalistin für eine jüdische Zeitung polarisiere und sicher so manchen wütend mache. Natürlich bin ich im Internet leicht zu finden, ich schreibe nicht unter einem Pseudonym, mein Name ist für alle sichtbar. Und dann habe ich es doch getan. Nach Charlie und nach Hyper Cacher.

Unter anderem schreibt dort ein bekennender Schmock völlig wirres Zeug über mich. Das Wort Schmock stammt aus dem Jiddischen und steht (laut Wikipedia) für einen »Tölpel oder einen unangenehmen Menschen. Meist eitel oder auch arrogant, der gleichzeitig aber weder besonders intelligent, gutaussehend noch geistreich ist«. Der Schmock veröffentlicht weder einen Namen noch seine E-Mail-Adresse oder sonstige Infos. Ich würde der Beschreibung in Wikipedia noch »feige« hinzufügen.

Die Journalisten und Zeichner von Charlie Hebdo in Paris waren alles andere als das. Sie waren sich bewusst, dass ihre Karikaturen puren Hass heraufbeschwören würden. Ich bin mir sicher, sie wussten auch, in welche Gefahr sie sich begaben. Und nahmen dennoch kein Blatt vor den Mund. Weil sie an das glaubten, was vielen Journalisten heilig ist – die absolute Bedeutung der Meinungsfreiheit. Dafür wurden sie ohne Gnade hingerichtet.

Bleistifte müssen den Hassern wirklich wehtun. Ebenso wie Computertastaturen und Druckerpressen. Viele meiner mutigen Kollegen auf der ganzen Welt benutzen sie täglich und riskieren dafür ihr Leben – mit ihrem Namen über den Artikeln oder unter den Zeichnungen.

Auch mir ist manchmal nicht ganz wohl in meiner Haut, wenn ich etwas schreibe, was anderen übel aufstoßen könnte. Denn natürlich verbreiten blutrünstige Terroristen Angst und Schrecken in normal denkenden Menschen. Doch ich habe mir meinen Mund noch nie verbieten lassen. Und werde es auch in Zukunft nicht tun.

Außerdem lebe ich in Israel. Und nach den Anschlägen von Paris kommen mir plötzlich die engen Grenzen dieses winzigen Staates gar nicht mehr ausschließlich inselartig und abgeschottet vor. Auf einmal haben sie sogar etwas von einem Schutzwall. Es ist erschreckend und traurig, doch die Offenheit Europas, die politische Korrektheit und die grenzenlose Reisefreiheit, die ich immer so geschätzt habe (und immer noch schätze), wirken auf mich neuerdings auch angsteinflößend.

Ich werde meinen Namen nicht mehr googeln. Und ich mache aus meinem Herzen keine Grube, in der sich Al-Qaida, islamistische Staaten und andere Hasser suhlen können. Ich bin Journalistin, ich bin Europäerin, ich bin Israelin, ich bin Deutsche, ich bin Jüdin, und ich bin Charlie. Und Schmock ist eben nur Schmock.

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