17. Dez. 2014
15:06

Von kunterbunten Kerzen

Es ist Chanukka.
© Sabine Brandes

Israelis sind Meister der Erfindungen. Der neueste Hit sind Chanukkiot für den privaten Pkw. Allein auf dem Weg zum Supermarkt gestern Abend sind fünf an mir vorbeigebraust. Das erste Lichtlein brannte schon an den auf dem Dach installierten Leuchtern. Es ist Chanukka.

Die Familien in Israel stellen ihre achtarmigen Chanukkiot in die Fenster und entzünden jeden Abend ein weiteres Lichtlein. Bis am achten Tag alle Kerzen leuchten. Dazu verspeisen die Leute bergeweise klebrig süße Krapfen, die Sufganiot genannt werden, und lassen sich alles in Öl Gebratene und Gebackene schmecken. Damit soll an das Wunder von Chanukka erinnert werden.

Die Legende geht, dass bei der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem ein klitzekleines Kännchen mit Öl gefunden wurde. Es hätte nur einige Stunden reichen dürfen, doch auf wundersame Weise erleuchtete es die große Menora nach dem Sieg gegen die Hellenisten acht volle Tage lang.

Aber das jüdische Lichterfest ist mehr als Kerzenschein und gutes Essen. Für viele ist es eine Woche der Besinnung und Reflexion. Und es ist die Zeit, an andere zu denken.

Schulkinder im ganzen Land ziehen dieser Tage mit Sammelbüchsen von Haus zu Haus, um möglichst viel Geld für Kinder mit Autismus und gefährdete Jugendliche zusammenzubekommen. Um das Bewusstsein für die Mädchen und Jungs zu stärken, ruft die israelische Gesellschaft für autistische Kinder Alut dazu auf, in diesem Jahr zwei blaue Kerzen an der Chanukkia zu entzünden.

Ich stecke sechs farbige dazu. Um daran zu erinnern, dass die Gesellschaft in Israel kunterbunt ist. Und daran, dass alle Menschen hierzulande eine Daseinsberechtigung haben und in voller Gleichberechtigung leben sollten. Die Chanukkia symbolisiert für mich, dass diese unterschiedlichen Männer, Frauen und Kinder friedlich nebeneinander stehen können. Und miteinander leben.

Die Chanukkageschichte erzählt nicht nur von einem Wunder, sondern auch von einem Neuanfang. Und den wünschen sich viele Israelis für ihr Land. Nach einer Politik der Stagnation, in der die Armen noch ärmer wurden, soziale Kälte wie ein eisiger Wind um die Ecken fegte. In einer Zeit, in der Terrorismus und Hass gegen andere ihre grausigen Fratzen immer häufiger zeigen, soll das Licht von Chanukka in jeden Winkel scheinen. Und die Dunkelheit erhellen.

Chag Sameach!

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