Vor ein paar Tagen stand hier in der Jüdischen Allgemeinen ein großartiges Interview mit dem PR-Spezialisten Klaus Kocks, das Christian Böhme und Michael Wuliger geführt haben:
www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8006/page/1
Die wichtigste Passage in dem Interview: Die Freunde Israels sollten kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Auf allen Wegen. Schweigen hilft überhaupt nicht. Auch die falschen Töne, die lauten Töne, die schrillen Töne – Gruß an Henryk Broder – alle sind sie besser als Schweigen. Das Schweigen ist der Existenzboden des Ressentiments. Das Schweigen ist der Raum, in dem der andere schreit. Die Dschihad-Rufe finden in dem Schweigen der anderen statt.» Die Botschaft hör' ich wohl. Allein mir fehlen die Worte.
Meine spontane Reaktion, wenn ich etwa höre, dass Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau schreibt, die Gründung Israels sei ein Unrecht gewesen oder ein palästinensischer Aktivist in derselben Ausgabe derselben Zeitung vor sich hinfantasieren darf, am Drogenhandel in Afghanistan seien irgendwie die Juden schuld: Sollen sie doch. Sollen die Herrschaften in ihrem eigenen Hirnsaft ersticken. Sie sind mir von Herzen wurscht, so lange Israel mit dem einzigen Argument sprechen kann, das seine Todfeinde je verstehen werden -- dem Argument der überlegenen Waffen.
Halb ist diese meine Haltung verzweifelt, und halb ist sie verwöhnt. Halb winke ich innerlich ab: Was soll's, diese Leute sind für Gründe sowieso unempfänglich. Und halb scheue ich vor einem harten, bösen Streit zurück. Ich bin mir also zu gut dazu, mich mit solchen Gegnern im Schlamm herumzuwälzen.
Meine Neigung zu schweigen hängt gewiss damit zusammen, dass ich nach Amerika ausgewandert bin. In ein Land, in dem es ein paar mehr Juden als in Europa gibt (irgendwas war da mal, nicht? irgendwas ist da passiert), ein Land, in dem Junkies, die ihre tägliche Portion Antizionismus benötigen, auf Organe wie die New York Review of Books zurückgreifen müssen.
Von hier aus kann man wirklich auf die Idee kommen, es sei nicht wichtig, was ein paar dahergelaufene Gojm oder Juden, die es werden wollen, in Europa vor sich hinmurmeln. Im Falle, dass mir blümerant zu Mute wird, besuche ich einfach die Intrepid, die fest verankert im Hudson liegt, und erinnere mich daran, dass Präsident Obama gerade ein paar Flugzeugträger in den persischen Golf geschickt hat: www.intrepidmuseum.org/
Aber natürlich ist meine Haltung trotzdem grundfalsch.