Delikte
Hass im Alltag
Antisemitische Straftaten sind in Deutschland eine konstante Größe. Dennoch tun sich die Behörden schwer damit, sie zu definieren
23.12.2010 – von Martin Krauss
Migrationshintergrund Aber Ausländer sind nicht unbedingt Ausländer. Hier werden etwa auch die Delikte der »Sauerland-Gruppe« geführt. Dabei besteht diese aus drei deutschen und einem türkischen Staatsbürger. Zwei von ihnen sind in Deutschland geboren, zum Islam konvertiert und gänzlich ohne Migrationshintergrund. Wie die Begründung des BMI hier greift, wonach »die durch eine nichtdeutsche Herkunft geprägte Einstellung des Täters für die Tatbegehung ausschlaggebend« sein soll, bleibt unklar.
Immer noch unterscheiden die Behörden zwischen antiisraelischen und antisemitischen Delikten. Nur manchmal wird doppelt gezählt. Ein Beispiel: »Ein Täter beschädigt ein israelisches Konsulat, indem er an die Hauswand sprüht ›Israelis raus aus Palästina‹ und schreibt dabei alle S-Buchstaben als Runen.« Fehlen diese, mangelt es nach Behördeneinschätzung auch an Antisemitismus. Nur 45 Prozent der antiisraelischen Delikte werden auch als judenfeindlich gewertet.
Soziologen gehen davon aus, dass zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland antisemitische Einstellungen haben. Ähnlich verhält es sich mit den Straftaten: Es gibt einen stabilen Sockel. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht.
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