Geschichtsthriller

Gebrochene Helden

Patrick Rotmans Roman über jüdische bewaffnete Widerstandskämpfer im besetzten Frankreich

09.12.2010 – von Michael KoltanMichael Koltan

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Verrat Da ist zum Beispiel Saschas Geliebte Éva, die die Gruppe denunziert, obwohl ihre Eltern deportiert wurden, und die nach dem Krieg ihre offensichtlich nach wie vor guten Beziehungen zum Staatsapparat nutzt, um ein erfolgreiches Bordell aufzumachen. Der Regisseur im Roman steht vor dem Problem, diese widersprüchliche Figur (modelliert nach der sehr realen Pariser Puffmutter Lucienne Goldfarb) für seinen Film plausibel zu machen. Das Bild, das er dafür findet, ist das einer sado-masochistischen Beziehung Évas zu dem Polizisten Rodier, in der die Rollen nicht so eindeutig sind, wie man es in der schwarz-weißen Welt der Heldenepen gerne hätte.

Im Laufe der Recherchen nehmen Versaus Probleme, für die historische Wahrheit Bilder zu finden, immer mehr zu. Die reale Geschichte erweist sich als zu komplex, als dass sie mit dem einfachen Kinoschema eines strahlenden Helden im Kampf gegen das absolut Böse bewältigbar wäre. Und so gibt Versau am Ende des Romans desillusioniert das Filmprojekt auf. Nicht so Patrick Rotman (der im Übrigen in Frankreich ein profilierter Filmemacher ist).

Woran der Film im Roman scheitert, gelingt dem Buch bravourös. Indem er die Schwierigkeiten beim Darstellen der historischen Wahrheit mit zum Thema macht, ist Rotman in der Lage, die einfachen Schwarz-Weiß-Schemata zu durchbrechen, ohne in historischen Relativismus zu verfallen. Und dabei dennoch eine aufregende Geschichte über Kampf, Liebe und Verrat in finsteren Zeiten zu erzählen.

Patrick Rotman: Die Seele in der Faust. Deutsch und mit einem Nachwort von Elfriede Müller. Assoziation A, Berlin 2010, 214 S., 18 €


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