Pädagogik

Gegen-Schläge

Mobbing an israelischen Schulen: Das Zentrum für Gewaltstudien greift ein

02.12.2010 – von Ingo WayIngo Way


So etwas wollte Rössler nun auch in Israel machen. Wobei es an israelischen Schulen nicht mehr Gewalt gebe als in anderen westlichen Ländern, wie Rössler betont. Allerdings könne man im konfliktreichen Nahen Osten mit gutgemeinten Appellen zum Gewaltverzicht noch weniger ausrichten als in Europa. Das bestätigt auch Yony Choona, der Ko-Direktor von »SOS«. In der israelischen Gesellschaft habe Gewalt zur Selbstverteidigung eine gewisse Akzeptanz, so Choona. »Ich selber glaube nicht, dass ich mit dem einfachen Niederlegen der Waffe auf Frieden hoffen darf.« Also könne man ein pazifistisches Konzept auch nicht glaubhaft an Schulen verkaufen.

Zunehmend nachgefragt wird das Programm von »SOS Gewalt« mittlerweile auch an Schulen des arabischen Sektors. »Die arabische Gesellschaft ist noch sehr stark hierarchisch strukturiert, da wird noch richtig geprügelt, von Eltern und Lehrern«, weiß Rössler. »Das macht Gewaltprävention im schulischen Kontext extrem schwierig.« Doch sei das Interesse vonseiten arabischer Lehrerkollegien sehr groß.

Ehrenamt »SOS Gewalt« sei sein Hobby, sagt Rössler. Sein Geld verdient er als Mitinhaber eines Reisebüros in Jerusalems trendiger German Colony. Viel zu verdienen ist mit Gewaltprävention wohl nicht. Es gibt nur zwei bezahlte Angestellte, die Workshops werden von ehrenamtlichen Deeskalationstrainern durchgeführt, unterstützt werden sie dabei von zahlreichen Volontären aus Deutschland.

Doch fachlich ist »SOS Gewalt« gut vernetzt. Zum Beraterkreis zählt unter anderem der Psychologe Haim Omer von der Universität Tel Aviv. An der Hebräischen Universität und dem David-Yellin-Lehrerseminar in Jerusalem bietet das Zentrum Seminare zur Lehrerfortbildung an. Insgesamt, so Choona, habe das Zentrum in den vergangenen drei Jahren mit 100 Schulklassen zusammengearbeitet und somit etwa 3.500 Jugendliche erreicht.

Ab 2011 wird »SOS Gewalt« Deeskalationstrainings für die israelische Polizei durchführen. Dadurch hofft Rössler, ein wenig vom pädagogischen »Gutmenschenimage« loszukommen. Vermehrte Anfragen gibt es auch aus Deutschland, etwa von der bayerischen Polizeiakademie. Das Deeskalationsprogramm aus Villigst wurde gleichsam in Israel veredelt und wird nun nach Deutschland reimportiert. Darüber freut sich Rössler besonders: »Beide Länder bekommen etwas voneinander, das sie vielleicht am wenigsten vom anderen erwartet haben.«



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