Prophetenabschnitt
Hannas Gebet
Was wir vom Feiertagstext über das Leben und das Gespräch mit Gott lernen können
08.09.2010 – von Gabriel H. Cohn
Bitte Auch Hanna begnügt sich nicht damit, um ein Kind zu bitten. Sie fragt sich in ihrem Gebet, was sie tun könne, um eines Kindes würdig zu sein. Und sie verspricht, dass sie das Kind – falls sie Mutter wird – dem Dienste Gottes übergeben wird. Wenn Gott ihr einen Sohn gibt, so gibt sie ihn Gott zum Dienst (1,11). Der betende Mensch fordert in der biblisch-jüdischen Tradition nicht nur Hilfe von Gott, sondern er verlangt von sich selbst aktive Mithilfe bei der Erfüllung seiner Wünsche. Der berühmte Satz »Gott hilft dem, der sich selbst hilft« scheint zynischen Charakter zu haben, aber richtig verstanden ist er Ausdruck biblischer Lebensauffassung. Damit Gott hilft, muss der Mensch auch selbst alles in seiner Möglichkeit Stehende tun, um die Erfüllung seiner Wünsche zu erreichen. Wie wir sehen, war das berühmte Gebet der Hanna kein einfaches Bittgebet. Hanna überdachte mit Gott ihre Situation und überlegte sich, was sie von Gott erwarten konnte und was sie selbst dazu beitragen sollte, um des Kindes, um das sie flehte, würdig zu sein. Und Gott erhörte ihr Gebet.
Hanna hat für ihre Zukunft gebetet und gewirkt. Aus all den erwähnten Gesichtspunkten istklar, weshalb der Prophetenabschnitt von der Geburt Samuels so bedeutend ist und sich so sehr für den Jahresanfang eignet. An Rosch Haschana sollen wir uns wie Hanna unsere Lebenspläne überlegen und mit uns zu Gericht gehen. Im Gebet sollen wir uns fragen, was wir tun müssen, um unserem Leben die erhoffte Richtung zu geben. Im Dialog mit Gott sollen wir dann – klar, aufrichtig und intensiv, aber auch demütig und bescheiden – um Seine Hilfe bitten. Und immer sollen wir daran glauben, dass uns viele Lebenswege offen stehen und dass wir keineswegs routinemässig den begonnenen Weg fortsetzen müssen. Vieles kann im Leben geändert werden. Durch unseren mutigen und sinnvollen Einsatz – und mit der Hilfe Gottes.
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