Zukunft

Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’

Mosche schreibt ein Lied, um das Volk Israel für die Zeit nach seinem Tod zu rüsten

08.09.2010 – von Rabbiner Walter RothschildRabbiner Walter Rothschild


Auch im Islam gibt es Bestrebungen, zur »reinen Form« der Religion zurückzukehren. Die ersten Anhänger Mohammeds lebten in der Wüste, sie kannten keinen Luxus und nichts, was den Menschen verführen konnte. Viele möchten gern dorthin zurückkehren – zumindest theoretisch – und die ganze Kultur und Gesellschaft dorthinschaffen. Aber das ist nicht realistisch. Rückwärts kann man nie gehen, und eben das soll das Volk Israel lernen – damals in der Wüste genauso wie heute in den Gemeinden.

Das Lied endet mit Blut und Rache. Gott verlangt von seinem Volk, dass es seine Feinde vernichtet. Nur so werde Sühne für das Land erwirkt (32,43) – ein kontroverses Thema. Vielleicht ist es für viele besser, wenn sie nicht verstehen, was der Vorbeter in der Synagoge singt. Aber Mosche warnt uns: »Das sind keine leeren Worte für euch, sondern daran hängt eurer Leben« (32,47). Mosche selbst hat seinen Teil erledigt, jetzt wird es Zeit für ihn zu sterben. Er wird das Land nur aus der Ferne anschauen können. Aber die Israeliten mit Jehoschua, Gott, der Tora und jetzt auch mit einem Lied gerüstet – sie sollen weitergehen. Kadima! Vorwärts!

Der Autor ist Landesrabbiner der liberalen Gemeinden von Schleswig-Holstein.



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