Mainz

Was lange währt

Schon in den 60ern sollte eine Synagoge entstehen

08.09.2010 – von Danijel MajicDanijel Majic


Von der ersten Idee bis zur Verwirklichung eines Projekts können manchmal Jahre vergehen. Von dieser Binsenweisheit könnte die Mainzer Gemeinde durchaus ein Liedchen singen. Die Pläne für den Neubau einer Synagoge reichen bis in die Gründungsjahre der Bundesrepublik zurück. 1962 wurde bereits ein Grundstein gelegt. Doch weil die Finanzierung nicht zustande kam, verblieb die kleine Mainzer Nachkriegsgemeinde in ihrem Gebetsraum im Gemeindezentrum in der Forsterstraße.

Bedarf Mit der Zuwanderung aus den ehemaligen Ostblockstaaten Anfang der 90er-Jahre sollte sich alles ändern. Der Mainzer Gemeinde wird ihre alte Heimstätte zusehends zu eng. Bereits 1995 wirbt daher die damalige Vorsitzende der Gemeinde, Esther Eppstein, für den Bau eines neuen Gotteshauses. Noch im selben Jahr gründet sich das Kuratorium zur Förderung eines Jüdischen Gemeindezentrums unter Beteiligung zahlreicher Politiker, Würdenträger und Prominenter. Die Leitung übernimmt der CDU-Politiker Johannes Gerster. Zunächst wird nicht über den Neubau der Synagoge, sondern den Umbau des Proviantamtsgebäudes diskutiert.

Zwei Jahre später entscheiden sich Gemeinde und Kuratorium, inzwischen unter der Leitung des ehemaligen Bürgermeisters Herbert Heidel gegen den Umbau und für den Standort Hindenburgplatz, wo von 1912 bis 1938 die Mainzer Hauptsynagoge stand. Die Stadtoberen und die Landesregierung signalisieren schon bald ihre Zustimmung. Mitte 1999 wird ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Aus den 36 eingereichten Konzepten entscheidet sich das Kuratorium für die Pläne des Kölner Architekten Manuel Herz, die jedoch erst elf Jahre später umgesetzt werden.

Antrag Denn zwar signalisiert die Gemeinde schon bald nach dem Wettbewerb ihre Zustimmung zu Herz’ eigenwilligem Entwurf, und 2000 wird der Bauantrag genehmigt, doch ein Führungsstreit innerhalb der Gemeinde sorgt dafür, dass die Planungen für die neue Synagoge ins Hintertreffen geraten.

Der Streit setzt sich auch fort, nachdem Esther Eppstein zurückgetreten und ein neuer Vorstand gewählt ist. Erst 2004, als Stella Schindler-Siegreich den Vorstand übernimmt, nimmt auch das Kuratorium seine Arbeit wieder auf. Doch 2005 folgt die nächste Hiobsbotschaft. Der Bund lehnt eine Bezuschussung des Neubaus ab. Allerdings wird Hilfe beim Erwerb des Grundstücks am Hindenburgplatz signalisiert.

Durchführung 2007 schließlich wird der Grundstückserwerb besiegelt. Das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Mainz erklären sich bereit, ihre Zuschüsse auf jeweils fünf Millionen Euro anzuheben. Die Gemeinde selbst trägt die Innenausstattung. Im November 2008 beginnen die Bauarbeiten für die neue Synagoge. Knapp zwei Jahre später kann die Einweihung gefeiert werden.


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