Kurzmeldungen
Mail aus Jerusalem
Eminenz, Enthusiasten und Ermüdung
08.09.2010 – von Wladimir Struminski
Ermüdung
Gewöhnlichen Knessetabgeordneten wird kein Personenschutz zur Seite gestellt, doch gibt es auch Ausnahmen, die als gefährdet gelten und von parlamentseigenen Leibwächtern beschützt werden. Das gilt etwa für ehemalige Verteidigungsminister, aber auch für Avi Dichter, einen Ex-Direktor des Inlandssicherheitsdienstes Schabak. Der sportlich begeisterte Volksvertreter geht regelmäßig mehr als eine Stunde lang im Meer schwimmen, während der Personenschützer am Ufer aufzupassen hat. Als Dichter seine Sportstunde jüngst unangekündigt verkürzte, stellte er aber mit Erstaunen fest, dass der Leibwächter im Wagen ein Nickerchen hielt. Zur Rede gestellt, erklärte er, von der Hitzewelle übermannt worden zu sein. Wegen seiner bisher vorbildlichen Arbeitsmoral wurde der Ermattete nicht entlassen, sondern lediglich einer weniger verantwortungsvollen Aufgabe bei der Knessetgarde zugeteilt.
Exilanten
Dass die Abwanderung von Wissenschaftlern aus dem jüdischen Staat bedrohliche Ausmaße angenommen hat, ahnte man in Israel seit Langem. Jetzt glaubt man es auch genau zu wissen. Eine Erhebung ergab 4.500 Namen israelischer Wissenschaftler, die heute im Ausland leben und arbeiten – drei Viertel von ihnen in den USA und der Rest weltweit verstreut. Für das kleine Israel ist der Braindrain nicht nur ideologisch peinlich – schließlich will man Immigranten, keine Emigranten –, sondern auch ökonomisch ein Desaster. Jetzt will die Regierung die Exilanten gezielt und persönlich ansprechen und ihnen mit Hilfe eines Sonderfonds Forschungsmöglichkeiten in der Heimat anbieten. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Angesprochenen dem Ruf folgt, darf man von einem Erfolg sprechen.
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