Hitzewelle
Dörrobst fürs Fest
Hohe Temperaturen zerstören die Ernte – dennoch gibt es genügend Äpfel zu Rosch Haschana
08.09.2010 – von Sabine Brandes
Wachstum Nicht nur für Äpfel zu heiß, sondern generell für Obst und Gemüse. Anbauer berichteten, dass die Temperaturen in ihren Gewächshäusern auf 70 Grad und mehr anstiegen. Eine Zahl, die eher geröstetes als frisches Gemüse produziert. Besonders bitter, dass oft auch die Staubgefäße der Blüten verbrannten. So können die Pflanzen nicht befruchtet werden und tragen auch nach der großen Hitze keine Früchte mehr, etwa Tomaten. Insgesamt sollen die Verluste viele Millionen Euro betragen, gab die Vereinigung israelischer Obst- und Gemüseanbauer bereits bekannt. Besonder schlecht sieht es in den Gewächshäusern für Gurken, Tomaten und Kräuter aus, auf den Feldern litten die Honig- und in Israel im Sommer so beliebten Wassermelonen. Dass irgendeine Sorte gänzlich vom Markt verschwindet, wird indes nicht angenommen. »Doch während des großen Bedarfs zu den Feiertagen kann es bei der ein oder anderen Obst- wie Gemüsesorte knapp werden. Und ganz sicher werden die Preise wieder steigen, keine Frage«, gab die Vereinigung bereits bekannt.
Davon geht auch Coneal bei seinen Äpfeln aus. Dasselbe gilt übrigens für die Granatäpfel, die dicken, knallroten Rimonim, wie sie auf Hebräisch genannt werden. Auch ihnen wird an Rosch Haschana eine besondere Bedeutung zugemessen, sie dürfen auf keiner Festtafel fehlen: Die vielen säuerlich-herben Kerne im Innern symbolisieren die Mizwot – der perfekte Rimon soll 613 Kerne enthalten – so viel wie es Mizwot gibt. Außerdem stehen sie für Fruchtbarkeit, die man sich im Judentum gern für das Neue Jahr wünscht. Auch die Ernte der Granatäpfel habe stark gelitten, ein Engpass sei nicht ausgeschlossen. Alle Anbauer hoffen, dass die extreme Hitze nicht zurückkehrt und auf mildere Temperaturen für Tischrei, den ersten Monat des neuen Jahres 5771.
Feiertage Dass trotz des großen Schadens dennoch genug Früchte für Rosch Haschana und Sukkot zu haben sein werden, verdanken die Israelis der Tatsache, dass 99 Prozent der Äpfel für den lokalen Markt angebaut werden. Coneal weiß das: »Wir produzieren jährlich etwa 120.000 bis 130.000 Tonnen, und fast alles bleibt im Land. Zitrusfrüchte, Avocado, Mango und anderes gehen in den Export, nicht aber die Äpfel.« Warum? »Es hat nichts mit der Qualität zu tun, unsere Äpfel sind topp. Aber die anderen Länder, Europa und die USA etwa, haben selbst genug davon. Unsere Arbeitskräfte sowie Wasser sind hier zu teuer, es würde sich schlicht nicht lohnen.« Importiert werden pro Jahr etwa 8.000 bis 10.000 Tonnen, vornehmlich aus den USA, ein kleiner Teil kommt aus Italien. »Doch die sind kein Ersatz«, so der Obstexperte aus dem Kibbuz, »Äpfel für Rosch Haschana müssen aus Eretz Israel stammen, das ist doch klar«.
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