Hitzewelle

Dörrobst fürs Fest

Hohe Temperaturen zerstören die Ernte – dennoch gibt es genügend Äpfel zu Rosch Haschana

08.09.2010 – von Sabine BrandesSabine Brandes


Knackig und süß sollen sie sein, damit das nächste Jahr ein gutes wird. Wenn dieser Tage zu Rosch Haschana »Schana Towa u’Metuka« durch alle Häuser der Juden in Israel und der Welt klingt, werden wieder unzählige Apfelspalten in Honig getaucht. Besonders gern verschwinden sie in den Mündern von kleinen Leckermäulern mit klebrigen Fingern. Diesen Elul jedoch war es nicht selbstverständlich, dass die Ernte den Bedarf an Äpfeln, auf Hebräisch Tapuchim, decken würde. Die außergewöhnliche Hitze, die Israel einen Monat lang zum Schwitzen und Stöhnen brachte, vernichtete einen großen Teil der Früchte, die noch an den Bäumen hingen.

»Besonders betroffen ist der rote Delicious«, weiß Gabi Coneal, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung des Kibbuz Merom Golan, »der traditionell für Rosch Haschana benutzt wird«. Die Plantagen hätten zu der Zeit, als die Hitzewelle anrollte, noch vollgesessen und waren ungeschützt der prallen Sonne ausgesetzt. An 19 Tagen im August herrschten in den Golanhöhen für viele Stunden am Tag über 36 Grad Celsius. »Das ist gänzlich ungewöhnlich für unsere Region und viel zu heiß für das Obst. Bei diesen Temperaturen wurden die Äpfel regelrecht an den Zweigen gebacken. Wir haben uns das ganze Jahr um die Pflanzen gekümmert und dann so etwas – es bricht einem wirklich das Herz.«

Um die 40 Prozent der Ernte des Red Delicious seien zerstört oder zumindest stark beschädigt worden. Auch die grünen Sorten wie der Golden Delicious und der Granny Smith hätten zu viel Sonne abbekommen und Schaden genommen. »Doch hier ist es nicht ganz so schlimm«, so Coneal, »weil die Früchte schon reifer waren, als die Hitze kam, so dass wir noch schnell abernten konnten«. In der vergangenen Woche war Landwirtschaftsminister Schalom Simhon vor Ort, um sich das Ausmaß der Zerstörung anzusehen. »Er war geschockt«, berichtet Coneal, »wie viel tatsächlich kaputt ist«. Nach den Feiertagen werden die Verhandlungen über Kompensationen für die Anbauer beginnen.

Klima Jetzt ist es auch amtlich, dass das Ende des Jahres 5770 heiß war. So heiß wie noch nie, bestätigten Meteorologen in der vergangenen Woche. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Israel gab es keinen August mit höheren Temperaturen. Dieser achte Monat sei sogar wesentlich wärmer als die gleichen in den Jahren 1981 bis 2000 gewesen, verkündeten die Wetterkundler. An vielen Abenden lagen die Temperaturen drei bis vier Grad über den für diese Zeit gewöhnlichen. Während des Tages stieg das Quecksilber in der Küstenregion um 1,5 bis zwei Grad höher, in den Bergen sogar durchschnittlich 2,5 bis vier Grad Celsius. Der August 2010 war damit ein Monat der Rekorde: Auf dem Berg Canaan in der Nähe der nördlichen Stadt Safed wurden 40,6 Grad gemessen, die höchste Temperatur seit 1939. In Jerusalem stieg das Thermometer bis auf 41 Grad, und der nördliche Kibbuz Kfar Blum, sonst bekannt für seine kühlen Kajaktouren auf dem Jordanfluss, verzeichnete schier unerträgliche 45,4 Grad im Schatten.

Überhaupt ist die gesamte Bergregion im Norden, vor allem die Golanhöhen, von kühlerem Wetter geprägt. »Bei uns ist es generell im Winter kalt und im Sommer angenehm kühl, so wie es Äpfel lieben«, erklärt Coneal. Israel liegt am Rande des Apfelanbaugebietes. Höhere Temperaturen als in dem kleinen Nahoststaat normalerweile herrschen, können die Pflanzen nicht mehr ertragen, sagt der Experte. »Doch dieses Jahr war ja alles anders.«



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