Streik
Sandalen am roten Teppich
Der Arbeitskampf im Diplomatischen Dienst hat kuriose Auswirkungen
02.09.2010 – von Sabine Brandes
Gehalt Auch Amnon fühlt sich, als wäre er »vom König zum Bettelmann« geworden. Vier Jahre lang arbeitete der 41-Jährige in einer diplomatischen Vertretung Israels im Ausland. Wo, will er nicht verraten, um »die Kollegen dort nicht in die Pfanne zu hauen«, wie er erklärt. Damals hatte er eine gehobene Position. »Mein Gehalt war super, doch das war es nicht allein. Es gab verschiedene Zulagen für den Auslandsaufenthalt, Kaschrut, Heimatbesuche und anderes«, erinnert er sich. Außerdem gehörte das schicke Apartment, das er in dieser Zeit bewohnte, der Botschaft. Als Gesandter zahlte er lediglich eine geringe Miete. Jetzt ist Amnon bereits seit einigen Jahren wieder in Jerusalem angestellt, wo er einst seine Ausbildung für den diplomatischen Dienst absolviert hatte.
»Und mittlerweile fühle ich mich, wie viele meiner Kollegen, richtig ausgenutzt. Ich kann meine Familie kaum ernähren, die hohe Miete in der Hauptstadt nicht mehr bezahlen.« Nach der Rückkehr in die Heimat sei sein Gehalt um mehr als die Hälfte geschrumpft, statt Zulagen gibt es unbezahlte Überstunden satt. Der Vater von zwei Kindern hat schon lange den Anzug in den Schrank gehängt und geht in Jeans und Sandalen zur Arbeit.
Dienst Er und seine Kollegen finden ihren Widerstand angemessen und richtig, peinlich nur das, was mit ihnen geschieht: »Im diplomatischen Dienst sollen wir immer tiptop aussehen, ständig freundlich sein und so tun, als sei alles perfekt.« Doch das sei es ganz und gar nicht: »Manche von uns müssen abends in ihren schicken Anzügen als Sicherheitsleute arbeiten, weil das Geld hinten und vorne nicht reicht. Und dann gibt es am roten Teppich nur noch Gegähne statt strahlendes Lächeln.«
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