Fussball
»Wir spielen professionell«
Schiedsrichter Abraham Klein über Hapoel Tel Aviv, die Champions League und eine Gelbe Karte
02.09.2010 – von Martin Krauss
Ist das für Hapoel ein Nachteil?
Das sage ich Ihnen nach dem Spiel. Vorher weiß man das doch nicht.
Warum darf die Mannschaft nicht in ihrem angestammten Heimstadion spielen?
Es erfüllt die Uefa-Auflagen nicht. Aber die Stadien in Israel werden immer besser. In Haifa etwa, wo ich wohne, wird gerade eines der modernsten Stadien Europas gebaut. 30.000 Menschen werden da hineinpassen, und im Jahr 2013 wird es fertiggestellt. Es wäre doch eine tolle Idee, wenn aufgrund der guten Beziehungen zwischen dem israelischen und dem deutschen Fußballbund zur Einweihung die israelische und die deutsche Nationalelf gegeneinander spielen könnten. Oder wenn der deutsche Meister dann nach Haifa käme.
Mitte August hat Itay Schechter beim Champions-League-Qualifikationspiel von Hapoel Tel Aviv gegen Red Bull Salzburg nach seinem Tor – dem entscheidenden 3:2-Treffer – eine Kippa aus dem Stutzen gezogen und gebetet. Dafür gab’s Gelb. Was sagt ein erfahrener Schiedsrichter dazu?
Der Schiedsrichter hatte recht. Gemäß den Regeln der Fifa musste er eine Gelbe Karte zeigen: Man darf nichts in seinem Stutzen mittragen. Aber man muss natürlich ehrlich dazu sagen, dass der Spieler niemanden beleidigt hat und auch niemanden beleidigen wollte: nicht die anderen Spieler, nicht das Publikum. Er wollte sich halt nach seinem Torerfolg bei Gott bedanken, und im Judentum zieht man zum Gebet eine Kopfbedeckung auf. Ich schätze, dass er es nie wieder tun wird.
Haben Sie eine solche Szene schon mal gesehen, etwa in einem israelischen Liga-Spiel?
Nein, so etwas habe ich in meinem ganzen Schiedsrichterleben noch nie erlebt. Und ich werde es wohl auch nie mehr sehen, denn spätestens jetzt ist ja jedem klar, dass es verboten ist.
Mit dem früheren israelischen WM-Schiedsrichter sprach Martin Krauß.
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