Fussball

»Wir spielen professionell«

Schiedsrichter Abraham Klein über Hapoel Tel Aviv, die Champions League und eine Gelbe Karte

02.09.2010 – von Martin KraussMartin Krauss


Herr Klein, Israels Fußball kann international immer besser mithalten. Hapoel Tel Aviv hat sich jetzt sogar für die Champions League qualifiziert, in einer Gruppe mit Schalke 04. Was bedeutet dieser Erfolg?
Wir sind sehr stolz darauf. Es ist das vierte Mal, dass eine israelische Mannschaft in der Champions League mitspielt, für Hapoel Tel Aviv sogar das erste Mal.

Wie sind die Chancen?
Wenn ein Spiel angepfiffen wird, spielen elf Spieler gegen elf Spieler. Alle haben die gleiche Chance. Natürlich ist Schalke 04 ein großer Name im internationalen Fußball. Aber Hapoel Tel Aviv hat in Salzburg drei Tore geschossen, das war auch exzellent!

Ist das Spiel einer deutschen gegen eine israelische Mannschaft immer noch etwas Besonderes?
Nein, nicht mehr. Es gibt ja eine gute Zusammenarbeit zwischen dem israelischen Fußballverband und dem Deutschen Fußball-Bund. Auch ein Schiedsrichteraustausch kam zustande: Der deutsche Schiedsrichter Manuel Gräfe hat ein Spiel der ersten israelischen Liga gepfiffen.

Gab es in Israel keine Kritik, dass ein Deutscher kommt, um zu pfeifen?
Nein, das ist mittlerweile normal. Das war früher anders. Ich habe ja 1968 das Spiel von Bayern Hof in Israel gegen eine israelische Auswahl gepfiffen, damals gab es noch Ressentiments. Aber Sport ist Sport und hat mit Politik nichts zu tun.

Israel ist des Öfteren Opfer von Boykottaufrufen. Wie sehr schadet das der sportlichen Entwicklung?
Erst neulich, bei den Olympischen Jugendspielen in Singapur, hat ja ein israelischer Taekwondo-Kämpfer Gold gewonnen, weil sein iranischer Konkurrent im Finale nicht gegen ihn antreten wollte. Das ist schlimm. Aber im Fußball gibt es das nicht. Die Uefa verbietet das, daher ist das im Europapokal beispielsweise nicht möglich.

Zurück zum Fußball: Israel war zuletzt 1970 bei der WM: 40 Jahre lang fehlte das Land bei Welt- und Europameisterschaften. Zuletzt sah es immer knapp nach Qualifikation aus, aber am Schluss fehlte es dann doch. Was fehlt genau?
Nicht mehr viel: Wir haben viele gute Spieler, wie zum Beispiel Yossi Benayoun, der für Chelsea spielt, und wir haben mit Luis Fernandez einen guten Trainer. Ich bin optimistisch. Aber Sie dürfen auch nicht vergessen, dass wir lange beinah nirgends spielen konnten. Wir flogen aus dem asiatischen Verband raus, weil man uns politisch nicht wollte. Doch Europa ließ uns nicht rein. Ich durfte nur Fifa-Spiele pfeifen, keine Uefa-Spiele, also keinen Europapokal und keine EM.

Dass Hapoel Tel Aviv in der Champions League mitspielt, war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Woran liegt’s?
Das hat viele Gründe. Der wichtigste ist, dass wir mittlerweile in der ersten Liga vollständig professionell spielen. Es gibt 400 Spieler, und die sind alle Vollprofis. Vor 20 oder 25 Jahren dominierten noch die Halbprofis. Der zweite Grund ist, dass wir viele ausländische Spieler haben: Die sind gut, und die können ja bei Klubspielen auf europäischer Ebene alle eingesetzt werden. Der Torwart von Hapoel Tel Aviv, Vincent Enyeama, ist Nigerianer, der ist so ein Beispiel. Und der dritte Grund ist, dass wir gute Trainingsmöglichkeiten und auch gute Stadien haben. Leider wird Hapoel, wenn Schalke kommt, das Bloomfield-Stadion nicht nutzen dürfen. Die Mannschaft muss ins Nationalstadion in Ramat-Gan umziehen.



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