Zeitlos

Bund fürs Leben

Der Ewige hat am Berg Sinai alle Generationen Israels versammelt, um ihnen die Tora zu geben

02.09.2010 – von Rabbiner David GoldbergRabbiner David Goldberg


Im Kapitel 30, Vers 11 lesen wir: »Denn dieses Gebot, das ich dir heute gebe, ist dir nicht zu schwer und liegt dir nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen könntest: Wer sollte von uns in den Himmel steigen, es uns zu holen und es uns vernehmen lassen, dass wir danach tun. Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass du sagen könntest: Wer sollte für uns über das Meer fahren, es uns zu holen und es uns vernehmen zu lassen, dass wir danach tun. Sondern es liegt dir sehr nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen, so dass du danach tun kannst.« Unsere Weisen diskutieren, von welchem Gebot hier die Rede ist. Raschi (1040–1105) sagt, es handelt sich um das Gebot des Toralernens. Nachmanides (1194–1270) hingegen meint, es gehe um das Gebot der Tschuwa.

Warum schreibt die Tora, das Gebot sei nicht im Himmel oder jenseits des Meeres, sondern sehr nah: im Mund und im Herzen? Die Antwort lautet, dass es für uns sehr schwer ist, sich Zeit zu nehmen, Tora zu lernen, und es ist noch schwerer, richtige Tschuwa zu G’tt zu tun, aber nur solange, bis wir mit beidem angefangen haben. Darum sagt die Tora auch: »es ist nah in deinem Mund und in deinem Herzen«.

Im Traktat Kidduschin steht geschrieben: »G’tt sagt, ich habe zwar auch den bösen Trieb erschaffen, aber als Gegengewicht die Tora. Denn nur durch sie kann man den bösen Trieb besiegen.« Der böse Trieb versucht immer, uns vom Lernen der Tora abzuhalten, denn er weiß, wenn der Mensch anfängt, Tora zu lernen und beginnt, sie zu lieben, hat der böse Trieb verloren. Daher versucht uns der Jezer ha’Ra, vom Toralernen abzuhalten und vermittelt uns das Gefühl, dass ein Anfang unendlich schwer sei. Im 5. Buch Moses 30,1 steht geschrieben: »... wenn G’tt dich zerstreut hat (hidichacha) unter andere Völker«. Doch »hidichacha« bedeutet »abweisen, verstoßen« und nicht »loslassen«. Das heißt, G’tt ist dem Volk der Israeliten immer noch nah und hat es nicht fallen lassen. G’tt kann es jederzeit zurückholen (vgl. 30, 4-6).

Ich hoffe, dass jeder Jude die Zeit vor Rosch Haschana nutzt, um darüber nachzudenken, was G’tt von ihm erwartet.

Der Autor ist Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Hof (Saale).


NIZAWIM – WAJELECH
Im Zentrum des Wochenabschnitts Nizawim liegt der Bund des Ewigen mit dem gesamten jüdischen Volk. Diesmal sind ausdrücklich auch diejenigen Israeliten miteinbezogen, die nicht anwesend sind: die künftigen Generationen. G’tt versichert den Israeliten, dass er sie nicht vergessen wird, doch sollen sie die Mizwot halten.
5. Buch Moses 29,9 – 30,20

Im Wochenabschnitt Wajelech erzählt von Mosches letzten Tagen. Er erreicht sein 120. Lebensjahr und bereitet die Israeliten auf seinen baldigen Tod vor. Er verkündet, dass Jehoschua sein Nachfolger sein wird. Die Parascha erwähnt eine weitere Mizwa: In jedem siebten Jahr sollen sich alle Männer, Frauen und Kinder im Tempel in Jeruslaem versammeln, um aus dem Mund des Königs Teile aus der Tora zu hören. Mosche unterrichtet die Ältesten und die Priester von der Wichtigkeit der Toralesung und warnt sie erneut vor Götzendienst.
5. Buch Moses 31, 1-30



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