Elul

Einkehr 2.0

Gedanken zum richtigen Umgang mit dem Internet

02.09.2010 – von Detlef David KauschkeDetlef David Kauschke


Vielleicht kann eine derartige Abrechnung und die Kontrolle von Taten und Aussagen auch für unsere Aktivitäten in E-Mails, Blogs, Facebook oder Twitter gelten. Vor dem Schreiben denken, selber denken! Doch genau das scheint in Gefahr zu sein. In seinem Buch Payback mahnt Frank Schirrmacher, dass die Bereitschaft der Computernutzer immer mehr zunimmt, das Fragen und dann auch gleich die Beantwortung der Fragen der Maschine zu überlassen.

Schirrmacher warnt nicht nur vor einer digitalen Informationsüberladung sondern vor einem existenziellen Wandel, »an dessen Ende der Verlust des freien Willens stehen könnte«. Er äußert die Befürchtung, dass das Internet in einer nächsten Entwicklungsstufe uns den »Prozess des Abwägens und Gewichtens möglicherweise vollends aus der Hand« nimmt, dass wir also das, was wir wollen und was aus unseren Gedanken folgt, an die Maschine delegieren. Der FAZ-Herausgeber und Feuilletonist stellt fest, dass der Computer großartige Verbindungen zu anderen Menschen aufbaut, »der Preis dafür ist aber ein gestörtes Verhältnis zu uns selbst«. Im Buch wird unter anderem Katie Hafner zitiert, die in der New York Times von einer »sonderbaren Abkopplung von sich« schrieb. »Aufmerksamkeit, Zeit und Konzentration reichen nicht aus, die eigenen Äußerungen gleichermaßen innerlich zu verarbeiten«, so Hafner.

Wahl Wir haben die Wahl: Das Internet ist gut und schlecht. Es hängt von uns ab. So wie es auch im Toraabschnitt der vergangenen Woche, »Ki Tawo«, deutlich wird: Wir haben einen freien Willen, wir können wählen. Gehorchen wir »der Stimme des Ewigen«, wird es uns gut gehen, wenn nicht, »kommen all diese Flüche« über uns. Und in eben diesem Abschnitt (5. Buch Moses 27,8) fordert Mosche vom Volk Israel: »Und schreibe auf die Steine alle Worte dieser Lehre«. Die Steine von heute sind unsere Smartphones, Laptops, Netbooks oder iPads. Wir sollten uns von Zeit zu Zeit daran erinnern, sie in diesem Sinne zu nutzen.

Und wir sollten uns zur »Aufmerksamkeit und Konzentration« zwingen, uns die Zeit nicht nehmen lassen. Die Tage der Teschuwa sind eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken. Wir sollten uns umprogrammieren, wenn wir mit dem Internet und den digitalen Technologien ein Problem haben.

Und wer dazu den Weckruf des Schofars braucht, und es nicht bis in die Synagoge schafft: Es gibt zahlreiche Webseiten (wie zum Beispiel: www.jewishmag.com/71mag/shofar/shofar.mp3), auf denen die Töne des Widderhorns zu hören sind. Schana Towa!



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