Elul

Einkehr 2.0

Gedanken zum richtigen Umgang mit dem Internet

02.09.2010 – von Detlef David KauschkeDetlef David Kauschke


Die letzten Wochen des zu Ende gehenden Jahres und die ersten zehn Tage des neuen Jahres stehen im Zeichen der Teschuwa, der Reue und Umkehr. Das Schofar, das in diesen Tagen geblasen wird, soll daran erinnern. An den Hohen Feiertagen geht es dann um Sünde, Vergebung, Neuanfang. Die Rabbiner unterscheiden dabei zwischen Sünden, die zwischen Menschen begangen werden, und Sünden zwischen Mensch und Gott. Die Generation 2.0 kennt noch eine besondere Kategorie: die kleinen und großen im Internet begangenen Sünden. Im weltweiten Netz versündigt man sich nicht nur gegen andere Menschen und göttliche Gebote, sondern bisweilen sogar gegen sich selbst.

Haben Sie auch in den vergangenen Monaten zu häufig und zu lange vor dem Computer gesessen? Haben Sie auch kostbare Zeit mit dem größten Blödsinn, den das Netz zu bieten hat, verbracht? Haben Sie auch, statt aufmerksam das Gespräch mit Partner/Partnerin oder Kindern zu führen, währenddessen heimlich im Blackberry die E-Mails gecheckt? Haben Sie auch mit »Copy/-Paste« Texte aus fremden Federn für eigene Zwecke übernommen, Musik, Bilder oder Videos nicht ganz legal heruntergeladen? Haben Sie auch Kurzmitteilungen vom Computer oder Smartphone gesandt, deren Inhalt nicht ganz der Wahrheit entsprach: »bin schon unterwegs«, »kann Ihre Mail erst jetzt beantworten«? Haben Sie sich über dumme Bekenntnisse im Facebook amüsiert, oder sich über Missgeschicke anderer auf Youtube schiefgelacht?

Fragen Vielleicht wäre es sinnvoll, in diesen Tagen einmal darüber nachzudenken, sich selbst ein paar Fragen zu stellen. Vielleicht sollten wir im Netz nichts als gegeben hinnehmen, und einfach etwas bewusster mit den Inhalten umgehen. Es müssen ja nicht gleich die Fragen sein, die auf www.frumsatire.net aufgelistet sind. Dort macht man sich zum Beispiel Gedanken darüber: Kann man sein Gebet tweeten? Oder müssen Mann und Frau, die ein gemeinsamen Facebook-Account haben, sich im Netzwerk während der Nidda-Periode (der Zeit der Unreiheit) voneinander fernhalten? Nein, es sind andere Fragen, wie zum Beispiel die von Rabbiner Asher Meir: Darf ich einen Menschen, dem ich zum ersten Mal begegne, vorher googeln? Oder darf ich eine E-Mail, die an mich adressiert war, einfach an andere weiterleiten? Dürfen Nachrichten und Informationen ohne Prüfung des Wahrheitsgehaltes an andere übermittelt werden?

Das Internet erlaubt, öffentlich Meinung zu äußern und Position zu beziehen, ohne redaktionelle Einschränkung, die andere Medien aus dem einen oder anderen Grund selbst vornehmen müssen. Gut so. Andererseits bietet es auch die Möglichkeit, unkontrolliert Unterstellungen, Lügen und persönliche Angriffe zu verbreiten. Eine Meinungsäußerung im Internet ist so öffentlich wie nirgendwo sonst. Und wie schnell wird die Sache persönlich, verletzend, diffamierend.

Abrechnung Und trotz dieser Gefahren hat das Medium mehr Vor- als Nachteile. Das meint unter anderem auch Rabbiner und Blogger Levi Brackman, der allerdings zu bedenken gibt, dass man nur sehr genau darüber nachdenken müsse, wie man sich richtig verhält und vor Fehlern hütet. In diesem Zusammenhang verweist Brackman auf das kabbalistische Hauptwerk Zohar, das dazu auffordert, jeden Abend eine genaue Abrechnung darüber zu erstellen, was man am Tag so alles gesagt und getan hat. Und er erinnert an den berühmten chassidischen Rabbiner Yisroel Firedman aus Ruzhyn (1797–1850), der sich kein einziges Mal bewegt haben soll, ohne zuvor genau zu überlegen, warum es es tun sollte. Nicht aus Faulheit, sondern aus Bedacht.



Anzeige

Lust auf mehr?

Gerne schicken wir Ihnen unverbindlich ein kostenfreies
Lese-Exemplar unserer aktuellen Ausgabe zu.

Anzeige

Zum Musikspecial

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Anzeige

Tu Bischwat

Tu Bischwat – Neujahr der Bäume

Neujahr der Bäume

Zum Dossier

Jüdischer Staat

Kulturkampf und Geschlechtertrennung in Israel – zum Dossier

Kulturkampf und Geschlechtertrennung

Zum Dossier

Links und Apps

Chajm Guski empfiehlt Links und Apps

Chajm Guski empfiehlt Links und Apps

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Winter
Berlin
-11°C
heiter
Frankfurt
-4°C
heiter
Tel Aviv
9°C
regenschauer
New York
3°C
wolkig
Zitat der Woche
»Mit unser Intelligenz und dem jüdischen Reichtum
können wir Wunder vollbringen.«
Prinz Turki al-Faisal von Saudi-Arabien über die Vorteile einer Integration Israels
in den arabischen Wirtschaftsraum