Interview
»Dem Westen fehlt vitale Energie«
Der »Konzert«-Regisseur Radu Mihaileanu über jüdische Filme, die östliche Seele und das deutsche Publikum
29.07.2010 – von Jörg Taszman
Die weibliche Hauptrolle haben Sie mit Mélanie Laurent besetzt, die auch in »Inglourious Basterds« gespielt hat.
Den Tarantino-Film hat sie erst nach »Das Konzert« gedreht und nur, weil Harvey Weinstein – der Produzent der »Basterds« , der auch meinen Film gekauft hat – sie von dort kannte. Ich hatte ein Foto von Mélanie aus dem Film »Keine Sorge mir geht’s gut« gesehen. Ich dachte: So müsste die Geigerin aussehen. Blond, blaue Augen, Französin und in diesem Alter. Aber erst bot ich die Rolle einer sehr prominenten Schauspielerin an, die jedoch wegen der vielen Szenen, in denen sie hätte Geige spielen müssen, ablehnte. Dann fiel mir Mélanie wieder ein, die damals nicht sehr bekannt war. Tarantino war dann schneller fertig, hatte diesen Riesenerfolg in Cannes, und Mélanie wurde zum Star. Wir haben davon profitiert.
In Frankreich war »Das Konzert« mit über zwei Millionen Zuschauern ein Kassenschlager. Auch in Israel war er zu sehen.
Dort hatte ich zum ersten Mal mit einem meiner Filme Erfolg, obwohl es vielleicht der am wenigsten jüdische ist. Aber es gab gute Voraussetzungen, weil über eine Million aus der Ex-UdSSR stammende Juden dort leben. Auch die französische und rumänische Community war auf den Film neugierig.
Jetzt läuft »Das Konzert« in Deutschland an. Zwischen dem hiesigen Publikum und Ihren Filmen gibt es seit »Zug des Lebens« eine Art Liebesgeschichte.
Ja, ich war 2000 mit meinem Vater zusammen in vielen Städten. Zu 90 Prozent hat er die PR-Arbeit gemacht. Dabei geschah etwas Geheimnisvolles und Unglaubliches. Es entwickelte sich eine große Zuneigung zwischen einem Juden, den man deportiert hatte, und einem deutschen Publikum. Das war zauberhaft. Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland komme, spricht man mich immer noch auf »Zug des Lebens« an.
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