Tischa Be Aw
Vergesst es nicht!
Der Tempel bleibt in Schutt und Asche, weil wir keine Lehre aus der Geschichte gezogen haben
15.07.2010 – von Yehuda Shamis
Es war ein heißer Sommertag, an dem die Zeit zum Stillstand gekommen ist. Und ein unauffälliger Beobachter auf einem der zahlreichen Hügel, die Jerusalem umgeben, würde staunen, wie ein Paradies auf Erden zugrunde geht, weil die Menschen vor den eignen unbegründeten Ängsten – und in dessen Folge in unbegründetem Hass – kapitulierten. Denn sie haben die Lehre aus der Geschichte wieder vergessen.
Und er würde sich weinend ausmalen, wie die Menschen an diesem Tag, als die Sonne zum Horizont hinuntersank, sich in den Schatten der Olivenbäume niedersetzen konnten, um den Tag der Besinnung auszukosten und sich auf eine neue Stufe des inneren Fortschritts vorzubereiten, die der nächste Tag mit sich bringen würde. Denn sie haben die Lehre aus der Geschichte wieder vergessen. Doch die Zeit stand still, und der nächste Tag wurde im Blut ertränkt. Die Leute haben sich selbst durch die Vergesslichkeit des Lebens ihres Glücks und ihrer Harmonie beraubt. An diesem heißen Sommertag.
Der Autor ist Rabbinerstudent an der »Yeshivas Beis Zion« in Berlin.
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