Emanzipation

Starkes Geschlecht

Die Tora zeigt, dass es sich lohnt, wenn Frauen für ihr Recht kämpfen

01.07.2010 – von Rabbiner Salomon Almekias-SieglRabbiner Salomon Almekias-Siegl


In der beschriebenen Geschichte wurde Mosche das erste Mal mit der Frage »Erben und Nachlass« konfrontiert. Da er keine Antwort darauf wusste, wandte er sich um Rat an G’tt. Dessen Antwort lautete: »Die Töchter Zelofchads haben recht; du sollst ihnen Erbbesitz unter den Brüdern ihres Vaters geben und das Erbe ihres Vaters auf sie übergehen lassen« (27, 6-7 ). Raschi kommentiert G’ttes Antwort: »Gelobt sei der Mensch, dessen Wünsche G’tt bestätigt.«

Weitblick Unsere Weisen haben das Auftreten der Frauen so beurteilt: »Dank dem Gerechtigkeitssinn der Frauen wurden unsere Vorfahren aus Ägypten erlöst und dank ihres Verhaltens wird die Erlösung kommen« (Schemot Raba 1,16). Sie heben hervor, dass die Frauen sich auch nicht an dem Vergehen mit dem Goldenen Kalb beteiligt haben, indem sie sich weigerten, ihren Schmuck herauszugeben, denn sie erkannten den Götzendienst in diesen Handlungen.

Auch der Midrasch (Yalkut Schim’oni) schreibt dazu: »Als die Wüstengeneration um Rückkehr nach Ägypten bat, erhoben sich die Frauen und forderten einen Besitz und Nachlass im Lande. Mosche hat sie deshalb sehr geschätzt. Und noch etwas: Der Abschnitt beginnt damit, dass ihre Zugehörigkeit bis hin zur Generation Josefs zurückverfolgt wird. Das heißt, so wie Josef das Land Israel geliebt hat und verlangte, dass sein Leichnam einst nach Israel zurückgebracht werden solle, so ist auch der Wunsch der Töchter nach Besitz am Land zu verstehen, den sie erbaten, um dort leben zu können.«

Besonnenheit Die Klugheit der Töchter ist sprichwörtlich. Mit Besonnenheit schilderten sie vor den Richtern ihr Problem: »Warum soll der Name unseres Vaters aus der Familie schwinden? Weil er keinen Sohn hatte? Soll dies der Grund sein, dass der Name ausgelöscht wird? Warum können die Töchter nicht die gleichen Rechte wie ein Sohn verlangen? Weil die Töchter keine Nachkommen zeugen können, muss deshalb unsere Mutter Levirat werden?« (Baba Batra 119b).

Hier wird klar, dass sie nicht vorrangig an Vermögen interessiert waren, sondern es ihnen darum ging, dass der Name ihres Vaters nicht in Vergessenheit gerate. Hätte Zelofchad einen Sohn gehabt, hätten die Töchter diese Frage nicht gestellt. Gibt es ein überzeugenderes Argument?

Letztendlich haben Zelofchads Töchter nicht nur für sich selbst, sondern auch für die nachfolgenden Generationen von Frauen die Möglichkeit erkämpft, eine Erbschaft anzutreten. Und daher wurde der Abschnitt nach ihnen und nicht nach Mosche benannt. Alle diejenigen, die heute die feministische Welt innerhalb des progressiven Judentums unterstützen, können mit Stolz auf diese fünf Schwestern blicken.

Der Autor ist Landesrabbiner von Sachsen.



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