Emanzipation

Starkes Geschlecht

Die Tora zeigt, dass es sich lohnt, wenn Frauen für ihr Recht kämpfen

01.07.2010 – von Rabbiner Salomon Almekias-SieglRabbiner Salomon Almekias-Siegl


Die Paraschat Pinchas berichtet von fünf Schwestern, die um den Nachlass ihres Vaters gekämpft haben und dadurch in die Schriften eingegangen sind. Bekannt sind sie als »Die Töchter von Zelofchad«. Im 4. Buch Moses 27,1 lesen wir: »Und es traten hin die Töchter Zelofchads, des Sohnes Chephers, des Sohnes Gileads, des Sohnes Machirs, des Sohnes Menasses, aus den Familien Menasses, des Sohnes Josefs, und dies sind die Namen seiner Töchter: Machla, Noah, Choglah, Milkah und Tmirzah.«

Was also trug sich seinerzeit zu? Mosche ließ alle jungen Männer ab dem Alter von 20 Jahren durch Zählung erfassen. Nach G’ttes Befehl hatten nur die Gezählten das Recht auf Besitz bei der Aufteilung des Landes Israel. Das Land Israel war noch nicht erobert.

militärdienst Den Mädchen war nicht bekannt, ob nur den zum Krieg einberufenen Soldaten das Recht auf einen Besitzteil zusteht, oder ob auch die nicht zum Militärdienst zugelassenen Frauen ein solches Recht beanspruchen können. Der Fall schien klar zu sein: »Sie haben kein Recht auf Erhalt von Besitz, ohne dafür eine Leistung im Krieg zu erbringen«, antwortete Mosche den männlichen Kindern von den Stämmen Gad und Reuwen, die vor der Überquerung des Jordans um einen Nachlass gebeten hatten. Es wäre nicht gerecht, die Kriegsdienst leistenden Brüder der anderen Stämme denen von Gad und Reuwen gleichzustellen, die nicht in den Krieg ziehen.

Deshalb mussten die Töchter zunächst annehmen, dass ihnen als Frauen keinerlei Recht auf Besitz zuerkannt wird, zumal ihr Vater Zelofchad keinen Sohn hatte. Doch es sollte anders kommen.

Sie traten vor das Bet Din von Mosche und dem Priester Elazar und sprachen: »Unser Vater ist in der Wüste gestorben, er gehörte nicht zu dem Anhang, der sich gegen den Ewigen zusammenrottete, zu den Anhängern von Korach, sondern starb wegen seiner eigenen Sünde, und er hatte keine Söhne. Warum soll der Name unseres Vaters aus seiner Familie schwinden, weil er keinen Sohn hat? Gib uns einen Besitzanteil unseres Vaters« (27, 3-4).

Die Töchter Zelofchads betonten ausdrücklich, dass ihr Vater zu jenen gehörte, die aus Ägypten ausgezogen waren und in der Zukunft einen Besitzanteil am Lande bekommen hätten. Sie unterstrichen, dass er nicht der Gemeinschaft Korachs angehörte, die gegen Mosche rebelliert hatten, sondern wegen der eigenen Sünde starb. Ein Recht auf Erbe dürfe nicht davon abhängig sein, ob der Vater ein guter oder schlechter Mensch war, argumentierten die Schwestern.

Zur Todesursache von Zelofchad gibt es verschiedene Erklärungen: Er könnte am Schabbat Holz gesammelt haben und dafür gesteinigt worden sein (4. Buch Moses 15, 32-36). Oder er gehörte zu jenen, die ins Gebirge hinaufzogen, obwohl G’tt das Besteigen des Berges verboten hatte (14, 39-42). Oder es könnte sein, »dass er üble Nachrede über G’tt und Mosche gesprochen und deshalb die Schlangen ihn getötet hatten« (21, 5-6).



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