Diaspora

Team Israel

Wie junge Menschen wieder stolz auf ihr Judentum und den jüdischen Staat sein können

01.07.2010 – von Jonathan RosenblumJonathan Rosenblum


Sicherlich bin ich nicht allein mit der Meinung, dass mein Freund Daniel Gordis der beste englischsprachige Autor über das Leben in Israel ist. Wie alle großen Schriftsteller hat er ein Talent, die richtige Anekdote zu finden, die das große Ganze erhellt. In der Geschichte »Der Sturm vor uns« (Jerusalem Post, 28. Mai 2010) zum Beispiel beschreibt er die schreckliche Einsamkeit, die er fühlte, als eine junge amerikanisch-jüdische Frau, Studentin an der konservativen University of Judaism, nach einer Unterrichtsstunde, die zum Gedenken an den ermordeten israelischen Soldaten Nachshon Wachsman abgehalten worden war, fragte: »Und was hat das alles mit uns zu tun?«

Entfremdung Dieser Moment vor beinahe 16 Jahren war für Gordis ein Zeichen für die weitgehende Abkoppelung der jungen amerikanischen Juden von Israel, ja der Entfremdung zwischen beiden. Selbst junge Menschen, die in der jüdischen Gemeinschaft Führungsaufgaben wahrnahmen, sähen »Israel nicht mehr als maßgeblich für jüdische Identität und Volkstum«, beklagt er. Er erinnert sich an den Stolz, der ihn in seiner Jugend erfüllte – und immer noch erfüllt – angesichts der erstaunlichen »kulturellen Renaissance«, die durch Israel möglich wurde. Und er wünscht sich nichts mehr, als dass diese Gefühle von jungen amerikanischen Juden geteilt würden.

Die universalistische Ethik, die den westlichen Diskurs dominiert, lässt jedoch solche Gefühle nicht zu – eine Ethik, die allem, was die Trennung zwischen Menschen oder Völkern stärkt, feindlich gegenübersteht. Noch immer bestimmt Europa den Zeitgeist, und die europäischen Eliten verharren in einem Zustand des Bußetuns für den Holocaust und die Verheerungen zweier Weltkriege. »Für die Büßer«, schreibt Alain Finkielkraut, »ist alles schlecht, was Menschen voneinander unterscheidet, was einen Menschen von einem anderen trennt. Grenzen sind schlecht; Zäune sind schlecht. Das Internet ist gut.« Europa offenbare heute jene »Leidenschaft für Gleichheit«, die Alexis de Tocqueville als grundlegendes Merkmal der Demokratie sah.

Die heikle Situation des Euro, die die Europäische Währungsunion bedroht, hat den wirtschaftlichen Nationalismus wiederbelebt, doch der Umschwung wurde vom Zeitgeist nicht wahrgenommen.

Zeitgeist In der Zwischenzeit stellt sich Israel gegen die Zeitströmung. Der Ideenhistoriker Mark Lilla an der Columbia University formulierte es so: »Einst wurden die Juden verspottet, weil sie keinen Nationalstaat hatten; jetzt werden sie verspottet, weil sie einen haben.« Und der Stolz auf diesen Staat, der auf der Basis ethnischer Identität errichtet wurde, widerspricht al-
lem, was junge jüdische Studenten gelehrt wurde und woran sie glauben.

Selbst die religiösen Rituale, mit denen sie aufwachsen (wenn es überhaupt welche gibt), erziehen sie dazu, sich gegen jegliche Differenzierung zwischen Menschen auszusprechen: zwischen Männern und Frauen; zwischen Kohen, Levi und Yisrael. Diese Trends unter jungen amerikanischen Juden versprechen nichts Gutes für Israel und letztendlich für das amerikanische Judentum selbst, dessen »lebendiges jüdisches Leben« (Gordis’ Worte, nicht meine) der Existenz Israels viel zu verdanken hat – eine Existenz, die durch die schwindende politische Unterstützung der amerikanischen Judenheit zunehmend gefährdet ist.

So sehr Gordis sich wünscht, die amerikanisch-jüdische Jugend möge mehr über Israel wissen, so wenig hat er anzubieten, womit der drohenden Krise, die er so einsichtsvoll identifiziert und analysiert, begegnet werden könnte.



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